Aus dem Regal: Wie man mit einem Mann glücklich wird von Ruth Herzberg

Schon wieder ein Buch von Mikrotext. Sie kommen hier im Abo rein. Das ist durchaus praktisch.

Wie man mit einem Mann glücklich wir Dafür ist’s dieses Mal keine Geschichte. Sondern eine Sammlung. Und zwar eine Sammlung von sehr kurzen Beiträgen, Blogpostinglänge jeweils. Das lässt sich immer schnell mal zwischendurch weglesen. Kann man machen.

Inhaltlich geht’s um Betrachtungen einer Frau zu Beziehungsfragen. Da kann man richtig was lernen, denke ich mir anfangs noch. Beim schnellen Lesen mal eben ganz en passant die Frauen verstehen. Wann bekommt man die Gelegenheit schon?

Daraus wird an dieser Stelle jedoch leider nichts. Denn viele der Geschichten, viele der Postings sind dann doch etwas offensichtlich provokant vulgär. Die verschiedenen Spielarten des Geschlechtsverkehrs: Sie scheinen alle vertreten zu sein. Sind sie es mal nicht, geht’s um entsprechende Anbahnungsversuche, gescheiterte dann wohl.

Dabei lernt man nun auch wieder nicht so wahnsinnig viel. Außer, Frauen denken tatsächlich quasi ständig nur genau das, genau so. Und ich verstehe sie offenbar wirklich nicht. Kann ja alles sein. Dafür müsste ich dann jedoch keine Bücher lesen.

Aber dieses Buch möchte mich wahrscheinlich gar nicht aufklären. Sondern einfach nur unterhalten. Und das hat’s durchaus getan.

Was ja auch wieder eine Empfehlung ist, oder?

Aus dem Regal: Auerhaus von Bov Bjerg

Das wurde jetzt aber Zeit. Nach dem sehr großartigen Debüt Deadline vor vielen, vielen Jahren gibt’s jetzt endlich das Buch 2 von Bov Bjerg. Auerhaus heißt es. Und es erzählt von ein paar 18-jährigen, die in eben diesem Auerhaus zusammen wohnen. Auslöser für das Zusammenziehen ist der Suizidversuch von einem aus der Gruppe. Aber irgendeine Kuriosität hat auch jede/r der anderen aufzuweisen.

Und was soll ich sagen? Es ist famos. Im Gegensatz zu Deadline ist dieses Buch sehr ruhig erzählt. Angenehm ruhig. Langweilig ist das trotzdem nicht. Es ist eher diese unprätentiöse Ruhe, die den einzelnen Geschehnissen zur angemessenen Dramatik verhilft. Und Dramen gibt’s reichlich. Wie gesagt: Irgendwas treibt jeden um. In der Gruppe verstärkt sich das jeweils noch. Man stolpert mit den Protagonisten von einem Erlebnis ins nächste und fühlt sich mittendrin.

Zwischendurch bin ich mal kurz verwirrt. Zwischendurch gibt’s nämlich die Alb. Alb? Kenne ich. Das ist ein Fluss, ein kleiner; hier in den Südstaaten. Da kurz darauf auch von den Cannstatter Wasen die Rede ist, passt das wohl. Aber wenig später gibt’s in der Alb einen See und prompt bin ich verwirrt. Macht aber nichts. Ich deute die Alb einfach direkt beim Lesen zur Alm um und schon passt der Text wieder.

Viel mehr Kritik fällt mir auch kaum ein. Es ist einfach ein gutes Buch. Ich empfehle es sehr. Ohne Zweifel ist das hier eine der schönsten Erzählungen des Jahres.

Und von mir aus kann Buch 3 gern etwas zügiger folgen. Echtjetztmal.

Aus dem Regal: Ihr Pixelherz von Jan Fischer

Ihr Pixelherz Na endlich. Endlich gibt’s mal ein Buch, das zeigt, wie es aussieht, wenn man nicht nur die Online-Welt betrachtet, sondern auch die Offline-Welt. Also, wenn man sie als getrennte Welten betrachtet. Mit Ihr Pixelherz macht Jan Fischer nämlich genau das: Er schickt seinen ich-erzählenden Protagonisten des Nachts in eine abgewrackte Online-Welt, die den Charme des verblichenen Second-Life hat. Dort verliebt er sich in eine Dame, es ist natürlich eine rein virtuelle. Und ebenso natürlich kommt, was kommen muss: Er vernachlässigt seine Freundin aus der anderen Welt, verliert sie letztendlich sogar. Ohne die andere gewinnen zu können.

Es ist eine durchwachsene Geschichte. Die Ich-Perspektive ist stellenweise ein wenig gewöhnungsbedürftig. Zum Gewöhnen bleibt wiederum wenig Zeit. Der Text gehört zu den Kürzeren. Bei Culturbooks wäre es eine Single. Hier bei Mikrotext gibt’s wohl keinen schönen Namen für das Format, macht ja nichts. Man braucht trotzdem einen Moment, um sich reinzulesen. Und dann ist die Geschichte auch schon fast vorbei.

Auch mal nett, so ein leicht irritierender Quickie für zwischendurch. Und das mit der künstlichen Trennung zwischen Off- und Online können wir dann auch gern wieder sein lassen.

Was Läufer so denken

Laufen ist eine feine Sache. Ich habe das hier gelegentlich schon mal erwähnt. Der Charme liegt unter anderem darin, wie einfach dieser Sport doch strukturiert ist. Man muss nicht viel üben. Man kann’s zumindest in den Grundzügen schon ab frühen Lebensjahren. Ein Fuß muss vor den anderen. Dann der andere vor den einen. Das muss man dann nur noch hinreichend häufig wiederholen. Ein recht überschaubares, einfaches Konzept. Ich mag einfache Konzepte. Sie geben Raum, sich den wesentlichen Dingen zu widmen.

Den berühmten Gedanken über Gott und die Welt zum Beispiel. Im The Atlantik gab es passenderweise kürzlich ein nettes Stück darüber, wie diese Gedanken oft so aussehen. Und es ist ernüchternd: Es geht schlicht um das eigene Tempo, das eigene Leiden und die Umgebung, also vor allem das Fehlverhalten der anderen.

Das ist natürlich hochgradig verwunderlich. Oder besser gesagt: Das ist, was die anderen denken; also vollkommen abwegig.

Die einzig wahre Referenz sind die eigenen Erfahrungen. Und die sehen hier so aus, dass ich mich beim Laufen über die Musik auf den Ohren freue; es ist wirklich eine feine Auswahl, ich kann dem laufvorbereitenden DJ meinen vollen Respekt zollen. Manchmal denke ich jedoch auch, wie doof die Musik mal wieder ist, dass sie nun wirklich gar nicht passt, schlimm ist das, ungeheuerlich; wer stellt sowas eigentlich zusammen? Nur gut, dass manchmal auch Podcasts laufen. Beim Laufen denke ich dann: Was für ein fein elaboriertes Gedankengut, guter Podcast, wie interessant der Lauf dadurch doch wird. Das denke ich. Außer, es ist einer dieser schwafelnden Podcasts. Die gehen ja gar nicht. Es labern schlecht vorbereitete Menschen unkoordiniert herum und kommen nicht voran. Zum Laufen passt das ja per Definition nicht. Geht einfach nicht. Da kann man nichts machen. Außer Abschalten natürlich. Abschalten und Gedanken machen. Über den letzten Text zum Beispiel; jenen, den man kurz vor dem Laufen abgeschickt oder online gestellt hat, den man nur noch schlecht oder zu spät ändern kann. Was für unsinnige Gedanken also. Viel lieber denke ich deswegen über den nächsten Text nach, über Figuren und Absurditäten, welche sie veranstalten. Oder kurz: Es sind Gedanken über Sachen, denen man sich nach dem Laufen dringend widmen könnte, wenn man sie nicht spätestens nach dem Duschen überwiegend wieder vergessen hätte. Dramen, allüberall. Nur auf den letzten Kilometern nicht. Insbesondere bei langen und anderweitig anstrengenden Läufen weilen die Gedanken quasi exklusiv bei der Vorfreude auf das, was schon Toni Mahoni vor geraumer Zeit sehr passend vertont hat: Ein schlichtes Radler.

Hach ja. Laufen ist also, wie gesagt, ein schöner Sport. Und am besten ist’s, wenn man nicht zu viel darüber nachdenkt. Auch nicht während des Laufens; oder besser gesagt: Vor allem nicht während des Laufens.

Ein Buch für Kai

Jetzt geht es mal um etwas ganz anderes. Jetzt geht es um ein Buch für Gutmenschen. Es ist ein Buch für Kai. Kai heißt eigentlich Kai-Eric Fitzner und ist der Autor von Willkommen im Meer. Kai hat außerdem vor kurzem einen Schlaganfall erlitten, mitsamt Koma. Das braucht niemand, das gönnt man niemandem, das ist ein großer Mist. Immerhin gab es für Kai eine Online-Unterstützungswelle, die sich gewaschen hat.

Immer im Meer Das war eine gute Aktion. Das Netz hat sich als sozial erwiesen. Es ging darum, für Kai zu spenden oder dieses Buch von ihm zu kaufen. Dieses Buch zu kaufen war also eine gute Tat. Das habe ich doch gern gemacht.

Und ich hatte definitiv überhaupt keine Lust, mit dem Lesen auch nur anzufangen. Dieses ganze Gutbürgertum ist wohl tatsächlich zu viel für mich. Irgendwas passiert immer, der Aufschrei ist dann kurz mal kollektiv und groß, alle liegen sich in den Armen, und sei es nur virtuell, und alles wird gut. Bestimmt. Schließlich haben wir uns gemeinsam empört. Oder gemeinsam etwas total gutes gemacht. Wenn es die anderen auch alle machen, dann ist es doch gut, oder? Lieber auch schnell mal klicken. Bevor die große Welle vorbei ist und es keiner mehr merkt.

Dummerweise ist diese Geschichte hier, die Geschichte von Kai, recht brauchbar. Um einen Lehrer geht’s. Um einen, der nicht ganz rein passt in sein angepasstes Umfeld. Es geht auch um seine Familie und ein paar Freunde. Sie passen alle zu ihm und somit ebenfalls nicht ins Umfeld. Das bietet Empörungspotenzial ohne Ende. Das ist sehr lesenswert. Allerdings legt die irgendwie sehr nahe liegende Ironie zwischen der Geschichte und dem Tamtam, mit dem sie an die Öffentlichkeit kam, einen Schatten darüber. Dazu kommt noch eine gesunde Portion Gutmenschenpathos, den die nicht-Angepassten der Geschichte einbringen. Alle sind total gut. Alles ist total gut. Hier retten sie die Welt. Und sie tun es so ethisch korrekt und überlegen, wie die besagte feine Unterstützungswelle zum Buch und seinem Autor. Ganz ehrlich? Es ist zu viel. Das muss doch alles nicht sein.

Wahrscheinlich sollte ich mich einfach weniger anstellen. Es ist schließlich ein feiner Text, ich hätte ihn ohne das ganze Tamtam wohl wirklich nicht entdeckt. Das wäre schade gewesen.

Jetzt kann ich die Geschichte leider sehr empfehlen. Man kann sie sich in Ruhe holen und lesen. Und wer möchte, kann dabei auch gern seinen kleinen Beitrag zu einem guten Zweck leisten. So schlimm ist das ja nun auch wieder nicht. Zumal die Welle eh schon wieder vorbei ist. Die Guten sind schon wieder beim nächsten Skandal.

Aus dem Regal: Untertan von Joachim Zelter

Das hat jetzt eine Weile gedauert. Aber hier ist es: Das Buch vom letzten Indiebookday. Wie gesagt: Ich lese langsam. Man könnte das als Unsitte bezeichnen. Man kann dem jedoch auch Vorteile abringen. Denn dieses Buch braucht etwas Zeit. Diese Geschichte sollte man lieber nicht in einem Rutsch verschlucken. Besser ist es, sie in kleinen Teilen wohldosiert zu sich zu nehmen.

Dabei geht es nur um eine einzige Person. Eine Person, die erst Stress in der Schule hat, später durch Inselbegabungen feine Arbeiten schreibt, eine Promotion ist sogar dabei. Nur ist es nicht die eigene. Denn diese Geschichte ist eine über die besagte Person in einer lebenslangen Nebenrolle, den Untertan halt. Er verkörpert mit seinem ganz eigenen Elend das Versagen einer ganzen Schicht. Es ist die Mittelschicht, die hier verliert. Das passiert auf eine recht symbolische Art, ganz klar. Aber man fühlt mit. Man leidet mit. Es stimmt depressiv.

Das ist sehr schön beschrieben. Und man kann es zum Beispiel lesen, wenn es einem mal zu gut geht. Depressionen gehen schließlich immer. Dieses Buch hilft dabei.

Eine Wertetüte mit vier Fragen

Das Leben als Eltern wird tatsächlich nie langweilig. Es kommen Überraschungen und Wendungen auf einen zu, mit denen man in der Form nicht unbedingt gerechnet hätte. So geht der Sohn zum Beispiel zur Schule und lernt dort tatsächlich Lesen. Super Sache? Nun, es kommt darauf an.

Die Unbeschwertheit am Frühstückstisch zum Beispiel, sie ist dahin. Früher konnten wir uns da ungestört anschweigen und in Ruhe den Kaffee schlürfen sowie im Müsli herumstochern. Heute sitzen zwei Kinder mit am Tisch, von denen eines alle Beschriftungen laut vorliest und kommentiert, die es auf dem Tisch finden kann. Die kleine Schwester sucht obendrein ihre eigenen Namensbuchstaben überall heraus und feiert jeden Fund. Das ist nicht immer leicht, so viel sei verraten.

Besonders trickreich ist vor allem, dass es nicht beim bloßen Vorlesen bleibt. Auf einmal sitzen die Kinder nicht nur mit am Tisch, auf einmal kommentieren sie auch die Essensauswahl. Auf eine vollkommen neue Art und Weise. So möchten wir doch bitte endlich mal wieder etwas anderes einkaufen als immer nur Sachen, auf denen Alnatura drauf steht. Das sei ja wohl total langweilig, immer nur das gleiche lesen zu können. Der Sohn bittet sich etwas mehr Auswahl aus. So kann es seiner Meinung nach mit dem Essen nicht weitergehen.

Dabei ist es keineswegs so, dass wir hier im Haus nur feinste Bioware verzehren. Bei Milch und Müsli ist es hingegen derzeit durchaus so. Das hat allerdings weniger mit dem Biofaktor zu tun als mit dem Umstand, dass Milch in erster Linie einen feinen Milchschaum für den Kaffee darbieten muss. Das können erstaunlich wenige, die von Alnatura hingegen durchaus. Dass sie obendrein nicht ESL-verdorben ist, gibt Bonuspunkte.

Nach ganz ähnlichen Kriterien verläuft hier auch die restliche Wahl der Lebensmittel. Wichtig ist, was lecker ist. So gehört sich das doch auch, oder? Kann man überhaupt anderer Meinung sein?

Man kann. Das ist hier schließlich ein freies Land. Und das ist auch hochgradig interessant. Also, das mit den Meinungen. Darum: ruhig her damit! Sinnigerweise aber bitte nicht hier in den Kommentaren. Denn mal ganz ehrlich: Das mit den Kommentaren in diesem Internet, das ist doch wirklich reichlich überbewertet. Zumindest in profanen Themenmix-Blogs. Da gibt es viel sinnvollere Portale, viel schönere Orte, um konzentriert die Kontroversen zu Themen jeder Art bündeln zu können.

Die Wertetüte zum Beispiel. Bei dieser heißt es:

Wir haben uns vier Fragen zum Thema Wertigkeit von Lebensmitteln ausgedacht. Bitte einfach beantworten.

Astrein. Besser geht’s kaum. Vier Fragen sind schaffbar. Die Antworten sind frei wählbar. Und je mehr mitmachen, desto interessanter wird der Mix der Antworten.

Nur zu. Es muss ja nicht beim Frühstück sein.

Väter

Hier liegt ein Link vor mir. Er steht in meinem Instapaper und ich gebe es zu: Ich weiß nicht mehr, wer mir diesen Link in die Timeline gespült hat. Aber eines weiß ich: Es war garantiert keine angemessene Warnung dabei.

Der Text hinter dem Link heißt When I’m Gone. Es ist die Geschichte eines Vaters, der in fast noch jugendlichen Jahren an Krebs stirbt und seinem Sohn kleine Briefe hinterlässt. In verschiedenen Situationen des Lebens zu öffnen: Beim ersten Kuss, bei einem Streit mit der Mutter, zur Hochzeit, wenn das eigene Ende bevor steht. Die großen Momente des Lebens: Alle dabei. Zu jedem gibt’s einen kurzen Kommentar eines zu jung gestorbenen Vaters, der ihn nicht mehr persönlich ansagen kann.

Was soll ich sagen? Es ist bewegend.

Oder etwas genauer gesagt: Das geht doch so nicht! Das kann man nämlich nicht lesen, ohne ein wenig die Contenance zu verlieren. Verdammt, aber diese kurzen Briefe kippen einen knallharten Typen, wie ich es ohne Zweifel bin, gnadenlos aus den Schuhen. Da geht gar nichts mehr. Würde ich nicht eh im Sitzen lesen, ich müsste mich jetzt erst einmal setzen, um die Wucht verdauen zu können.

Ich empfehle den Link sehr. Ausdrücklich. Der Text ist nicht lang, aber wundervoll. Von einem Vater an seinen Sohn. Berührend.

Hach. Und: Danke an den oder die Empfehlenden.

Update: Dank Hinweis von Frau @redakteuse ist es jetzt raus: Frau @_coolcat hat den Link spendiert. Merci.

Probehören

Sitzreihe Wenn man zu einem Konzert geht und bei diesem Sitzplätze geboten werden, hat man sicherlich den Klingklang einer eher gesetzten Musikervereinigung vor sich. Nun, das mag so sein. Ich kann Calexico jedoch sehr empfehlen. Dabei ist es übrigens fast egal, welche Körperhaltung man einnimmt. Denn Stehplätze gibt es auf ihren Konzerten für gewöhnlich sehr wohl. Und die gezeigte Sitzreihe blieb während des gestrigen Auftritts beim Zeltival auch leer. Da sage nochmal jemand was. So träge ist das Publikum hier in den Südstaaten nämlich nicht.

Und das ist auch gut so.

Denn man kann bei so einem Konzert nicht nur feine Musik erleben, man kann auch richtig was lernen. Etwas über die korrekte Wahl der Instrumente, zum Beispiel. Selbst, wenn man selbst gar keines spielen möchte, wird die Frage spätestens für all jene interessant, deren Kinder gerade mit der Schule anfangen. Da sind Instrumente schwer angesagt. Wir haben hier so ein Schulkindexemplar im Haus. Und ich verrate mal soviel: Einfach ist die Instrumentenwahl auf jeden Fall nicht. Interessant ist alles, glasklar. Aber manches dann doch nicht so recht intuitiv, klingt auch erstmal schräg, frustriert gar. Da ist guter Rat gefragt. Da kann man sich ruhig mal umgucken. Einfach mal erleben, was gut klingt, sehen, was Spaß macht. Darum geht’s doch beim Musikmachen, oder? Nun, bei dieser Band hier offenbar schon. Spielen können sie, live ganz besonders. Das gefällt. Und mit sieben Mann auf der Bühne gibt es auch anständig was zu gucken. Die meiste Zeit spielen sie nämlich verschiedene Instrumente, zum Teil sogar mehrere davon. Das Spektrum ist entsprechend breit und ich stelle fest: Es hat alles überzeugt.

Schrammelige Gitarren aller Art? Passt jeweils. Gern auch mal als Solo-Battle zwischendurch. In Maßen ist das durchaus erträglich. Bass? Geht eh immer. Es gibt ja kaum coolere Instrumente als so einen Bass. Und dabei ist es fast schon egal, ob es ein großer akustischer oder ein handlicherer elektrischer Bass ist. Bass cool, Bassspieler noch cooler. Super Bass. Und die Drums? Sind natürlich ebenfalls ganz fein. Schlagzeug, Percussion, Klangschalen, Rasseln, Vibrafon: alles feine Sahne. Ergänzt übrigens auch den Bass ganz hervorragend. Das kann somit gar nicht verkehrt sein. Nur die Frage mit dem Übungsraum ist schwierig, falls wir das hier auch dem Sohn durchgehen lassen würden. Aber irgendwas ist bekanntermaßen immer. Wie auch mit der Trompete. Wobei das natürlich ein feines Instrument ist. Bei Calexico gleich in zweifacher Ausführung zu haben. Und ich muss sagen: Das macht es fast doppelt so schön. So eine Trompete schafft’s ja ganz hervorragend, sowohl im Hintergrund zu überzeugen, als auch durch charakterstarke Soli zu glänzen. Keyboards können das meist weniger. Das klassische Keyboardsolo hat’s ja nie so richtig zum Durchbruch geschafft. Macht aber nichts. Es ist trotzdem ein ganz feines Instrument. Keyboard ist also total super. Und kommt nicht nur mit den flexibelsten Klangvariationen daher, sondern wir sind hier sogar so großzügig und werfen das Theremin auch noch mit in die gleiche Schublade. Ignorant können wir hier, wir Eltern. Der Sohn muss es ausbaden und hat weiterhin die Qual der Wahl. Warten wir es ab. Für eventuelle Bühnenpläne seinerseits gibt’s jeweils wenig Gründe für oder wider der einen oder anderen Wahl. Live, beim Konzert, konnten hier zumindest alle überzeugen. Besser geht’s doch kaum.

Calexico live

Und wenn am Ende des Tages wirklich gar nichts passen sollte, bleibt ja immer noch der Gesang. Auch die Rolle möchte meist besetzt werden. Und zumindest den Jungs von Calexico nimmt man es kurioserweise gar nicht übel, wenn das auch mal nach Adan Romero klingt. Und was soll ich sagen? Wenn man erstmal soweit ist, wird die Wahl der begleitenden Instrumente quasi nebensächlich.

Über die Instrumentenwahl des Nachwuchses mache ich mir also wenig Sorgen. Scheint alles zu passen.

Gelegenheitsläufer

Die Sache mit dem Laufen, sie ist nicht einfach. Also streng genommen ist sie das natürlich durchaus, schon klar. Wenn wir es auf seine Essenz reduzieren, funktioniert das mit dem Laufen so, dass man am Anfang einen Fuß vor den anderen setzt und anschließend die Füße wechselt und das Spiel noch einmal treibt. Das muss man dann nur ausreichend häufig wiederholen. Um mehr geht’s eigentlich nicht.

Und doch ist es nicht einfach. Denn es gibt so Tage, an denen das mit dem Fußwechsel ganz leidlich klappt. Und es gibt Tage, an denen scheitert man an den einfachsten Sachen, wie dieser hier zum Beispiel. Heute ist so ein letzterer Tag und ich habe das Gefühl, als ob das nicht nur ein temporäres Dilemma ist, sondern sich gerade durch die Saison zieht. Wir hatten es hier ja gerade erst von abgesagten Läufen und verkürzten Ersatzevents. Euphemistisch, wie wir hier so sind, rufen wir passenderweise einfach das Jahr der Entspannung aus. Passt ja.

Um zwischendurch mit den Füßen auf dem Boden zu bleiben und nicht in der Euphorie gut laufender Kurzstreckenspaziergänge wieder übermütig zu werden, gibt es gelegentlich das, was man einen langen Lauf nennt. Heute war so einer. Passenderweise haben die FKK-Freunde des Lichtbundes einen Probelauf für den Badenmarathon veranstaltet. Und es bestand zwar kein Kleidungszwang, aber wer wollte, durfte sich Laufhöschen und T-Shirt ruhig überwerfen. Ich habe das mal gemacht. Und bin gescheitert.

Nicht an der Kleiderwahl, die ging eigentlich recht fix. Ich habe den Kilt zu Hause gelassen, das ist hier schließlich Training. Dafür habe ich das Shirt vom Helgolandmarathon dabei gehabt. Das war der gute Teil des Tages. Zwei Interessenten konnte ich von den schönen Inselrunden vorschwärmen. Ich glaube, sie probieren das mal aus. Sehr schön.

Weit weniger schön lief das Laufen selbst. Dabei waren die Voraussetzungen gar nicht schlecht. Es gab mehrere Gruppen, nach Tempo sortiert. Ich habe mir extra eine gesucht, die etwas langsamer als mein normales Reisetempo war. Da konnte doch nichts schief gehen, oder?

Dachte ich auch. Und irrte. Die ersten 21 Kilometer war alles noch recht entspannt. Immer schön abwechselnd habe ich einfach die Füße jeweils voreinander gesetzt. Das hat gepasst.

Was nicht mehr passte, waren die letzten sieben Kilometer. Auf denen ging irgendwie gar nichts mehr. Es war wie das Umlegen eines Schalters, der den recht simplen Laufalgorithmus einfach kaputt gemacht hat. Füße? Taten, was sie wollten. Abwechselnd voreinander setzen? Ging nur manchmal. Am Ende schlich ich mit einigem Abstand als letzter meiner ansonsten sehr entspannten Tempogruppe ins Ziel. Am Versorgungsstand wollten sie mich glatt aussortieren. Ich sah wohl etwas demoliert aus, meinten sie. Das wollten sie sich so eigentlich nicht mit ansehen. Das Auge läuft bekanntlich mit.

Ich habe jetzt mal meine Schlüsse gezogen und knallhart meine Kurzbio auf den diversen sozialen Kanälen aktualisisiert. Vorher sah sie so aus:

Profil vorher

Jetzt sieht sie so aus:

Profil nachher

Denn sind wir doch mal ehrlich: Ein Marathonläufer sieht anders aus.