Die Sache mit den Medien

Medien, diese neumodischen Dinger: man hat’s mit ihnen nicht leicht. Das war damals beim Gutenberg mit seinem Hipster-Buchdruck so, das war vor 30 Jahren mit dem Fernsehen so, mit welchem wir uns zu Tode amüsierten und es ist auch heute noch so. Mittlerweile hat sich einfach so das Internet ausgebreitet und es scheint, als ob niemand vorher die Eltern um Erlaubnis gefragt hat.

Das erzeugt bei einigen von uns Stirnrunzeln. Und das, obwohl die Spreeblicker vor einer Weile mit ihrem Netzgemüse aufgeklärt haben. Aber die Erinnerung daran ist bei manchen sicher schon ins Archiv gerutscht. Es ist verständlich. Das Buch ist schließlich schon über zwei Jahre alt. Viel ist seitdem durch die Kanäle gerauscht. Ständig kommt Neues rein. Manchmal geht auch was raus. Man beachte zum Beispiel die wieder ganz neu geführte Debatte zu Kinderbildern im Netz.

Das Ding mit den Medien, es ist wirklich nicht leicht. Es ist sogar hochkompliziert. Viele Theorien geistern herum. Regeln schaffen manche, auf Technologie setzen andere. Man kümmert sich auf jeden Fall.

Und dann kommt Frau Novemberregen und sagt das hier:

Ich reglementiere die Mediennutzung meiner Tochter überhaupt nicht.

Sachen gibt’s. Also wirklich. (Ich empfehle die Lektüre jedoch sehr.)

1976. Oder: Eine Lesung von Pia Ziefle

Sachen gibt’s, man mag sie kaum für möglich halten. So hat beispielsweise Pia Ziefle bereits zwei Romane geschrieben, beide sind großartig, und es hat bisher noch niemand die Dame zum Lesen in die Karlsruher Südstaaten eingeladen.

So geht das natürlich nicht.

Also haben wir unsere Kalender gezückt, einen Termin gefunden, ein wundervolles Café zum Lesen obendrein und haben beides öffentlich angekündigt. Eine charmante lokale Buchhandlung hat sich dazu gesellt und einen Büchertisch spendiert, ein Förderverein hat als Sponsor das Drumherum ein wenig vereinfacht und ein paar Gäste haben dem schönen Wetter getrotzt und sind auch dazu gestoßen.

Was soll ich sagen? Wir hatten einen wundervollen Abend. Die Stimmung war top, der Text sowieso. Wer dabei war, weiß jetzt obendrein nicht nur, dass dessen Handlung 1976 spielt, sondern auch, welches Auto in dem Jahr auf den Markt kam, wer eine politische Doppelrolle besetzt hat und damit krumme Dinger drehte und welche Wohnzimmereinrichtung für welches deutsche Land typisch war.

Was will man mehr? Wenig, wohl wahr.

Wer nicht dabei war, hat etwas verpasst. Immerhin kann man Pias Bücher einfach selbst lesen, ich empfehle das sehr. Und mit ein wenig Glück kann man noch einen ihrer sonstigen Lesetermine einrichten. Sie stehen auf ihrer Homepage gleich ganz am Anfang gut sichtbar dran. Nur zu, es lohnt sich.

Wir warten hier ab jetzt auf Buch Nummer drei und wer weiß: Vielleicht klappt’s auch dann wieder mit einem Termin vor Ort. Ich wäre wohl dabei.

Wiener Stadtrundgang

Es gibt Orte, die locken einem mit strahlend blauem Himmel und laden zu einem Stadtrundgang ein. Hier haben wir einen solchen. Fairerweise steht sogar dran, wie er heißt. Das trifft sich gut.

Wien

Nach Wien kommen wir gern. Weite Teile der Familie waren nämlich noch nie dort, mich eingeschlossen. Da sollte man die Gelegenheit beim Schopfe greifen. Selbst wenn es sich bei der Gelegenheit nicht explizit darum handelt, auf historischen Pfaden zu wandeln.

Sisi

Es muss auch gar nicht darum gehen, die eigene Sattelfestigkeit zu verbessern.

Hofreitschule

Sondern es reicht schon, endlich einmal zu versuchen, einem alten Mythos auf die Schliche zu kommen.

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Und so ist der Wiener Stadtmarathon eine ganz hervorragende Gelegenheit, die Stadt zu erkunden. Das Angebot nehmen wir gern an. Man bekommt schließlich etwas zu sehen. Wann hat man schon mal die notwendige Ruhe, das alles zu genießen? Viel zu selten, ganz genau. Das ist doch ein Jammer. Vor allem, wenn man bedenkt, was alles geboten wird.

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Alt und neu: Hier trifft es auf einander. Man kann es auch ganz plastisch sehen:

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Und wer genauer hinschaut, lernt beim ganzen Gucken sogar noch etwas.

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Das ist praktisch. Vor allem in Anbetracht dessen, dass so eine Städtereise nicht ganz preiswert ist. Geschenkt wird einem hier nämlich nichts.

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Immerhin die Staatsoper kommt einem entgegen und überträgt das Programm aus dem ausverkauften Saal live nach draußen.

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Das ist so toll, dass sich vor dem Kiosk gegenüber die Fans der Oper um die besten Plätze drängen, da die extra bereit gestellten Stühle nicht für jeden reichen. Wie toll ist das denn? Sehr toll, ganz klar. Man könnte glatt vergessen, warum man überhaupt in die Stadt gekommen ist. Das passiert uns natürlich nicht. Also stürzen wir uns in die letzten Laufvorbereitungen. Denn wer möchte am Ende seines Marathons schon hier enden?

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Niemand, genau. Darum machen wir das, was gemeinhin empfohlen wird: Carboloading. Das hat etwas mit Nahrungsaufnahme zu tun. Das passt. Wien scheint dafür genau die richtige Gegend zu sein. Man findet zum Beispiel das hier:

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Nicht richtig? Nun, Alternativen gibt es auch.

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vcm15_bombe Und zum Nachtisch schlägt die Bombe ein, gern darf’s eine Schokobombe sein. Irgendwie muss man schließlich über die Runden kommen. Irgendwann wird’s schließlich ernst. Dafür möchte man gewappnet sein. Diese ganze Vorbereitung: Sie erfüllt ja keinen Selbstzweck.

Also geht’s auf die Strecke. Und viel mehr als die schon erwähnten Sehenswürdigkeiten muss ich dazu eigentlich auch kaum sagen. Denn ein Geheimnis von Veranstaltungen wie einem Marathon sei verraten, sie folgen nämlich einem recht einfachen Schema: Man beginnt damit, einen Fuß vor den anderen zu setzen und setzt anschließend diesen anderen wieder vor den einen. Das wiederholt man ausreichend oft und ist im Ziel. Das klappt eigentlich recht gut. Auch wenn man unterwegs nicht immer ganz dran glaubt. Aber auch das gehört sich wohl so.

Der zu dieser Aktion passende Kalauer des Tages kommt übrigens aus den Südstaaten:

Und für die Nichteingeweihten verrate ich gern, was so ein Fiaker ist, die Teile parken nämlich in Wien gern vor der Hofburg herum:

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Kilt Ich hab’s übrigens nicht gemacht. Also ich habe mir keines der Gefährte geschnappt und abgekürzt. Der Grund liegt hauptsächlich darin, dass mir in meiner neu liebgewonnenen Laufbekleidung die angemessene Eleganz möglicherweise abhanden gekommen wäre. Vielleicht sollte ich erst einmal im stillen Kämmerlein üben, wie man gekonnt im Kilt die Beine adäquat übereinander schlägt. Andere Stileinbußen, die man mit halbwegs offenem Auge gegebenfalls vielleicht (also: eventuell) auf dem Bild links erkennen könnte, weise ich selbstverständlich weit von mir und erkläre nur der Form halber, dass die Aufnahme etwa 700 Meter vor dem Zieleinlauf entstanden ist.

Der fand übrigens nach seiner angemessenen und gebührenden Zeit statt. Die Frage bekommt man immer wieder gern gestellt: Wie lange hat’s denn gedauert? Gern gefolgt auch von: Und, hast Du damit Dein Ziel erreicht?

Nun, was soll ich sagen? Ich hatte kein Ziel. Kenner wissen natürlich, dass solche Aussagen nur von jenen kommen, die entweder eh ausreichend langsam sind oder von jenen, die im Vorfeld vornehm tiefstapeln und am Ende bei der Siegerehrung ausgezeichnet werden. Ich sag’s mal so: Zu letzteren gehöre ich nicht und es es wurde in etwa das, was ich auch auf Helgoland gebraucht habe. Die Bedingungen dort waren jedoch bekanntermaßen deutlich herausfordernder als im sonnigen Flachland-Wien. Man könnte jetzt die Gelegenheit nutzen, sich genüßlich darüber auszulassen, ob ich einfach nur alt werde oder schlicht etwas bequem beim Training war. Aber sei es drum, alles kann man eh nicht haben und immerhin hierfür hat’s gereicht:

Medaille

Das passt schon und ist deutlich eleganter die Geschichte des Herrn Pheidippides aus dem zweieinhalbtausend Jahre alten Mythos. Auch wenn der Sohn jetzt nur etwas mitleidig guckt hat und fragt, wo ich denn meinen Pokal gelassen hätte.

Irgendwas ist wirklich immer.

Terminankündigung: Pia Ziefle liest am 18. April in Karlsruhe!

Es ist mir eine große Freude: Pia Ziefle kommt nach Karlsruhe und liest vor. Pia hat zwei Bücher geschrieben und von beiden bin ich sehr angetan. Ob Suna oder länger als sonst ist nicht für immer: Es sind ganz feine Texte. Und ihre Lesungen sind das auch, sie gibt sich richtig Mühe mit diesen. Darum freue ich mich auf den 18. April im Café Wohnzimmer:

Lesung_PiaZiefle

Das wird großartig. Kommt alle! Wer möchte, kann sich sogar anmelden.

Kinder? Karriere? Meine Güte.

Gerade erst haben wir hier Neil Postman erwähnt und somit etwas Medienkritik ganz beiläufig eingestreut, da kommt auch schon der nächste Streich. Ich zitiere mal:

Ihr habt einen Alltag, der aus spannender, erfüllender Arbeit, Weinabenden mit Freunden, der Vorbereitung für den Halbmarathon und dann und wann einem Kurztrip zur Entspannung besteht? Mit Kindern ist das alles vorbei!

Da stelle ich spontan fest: Mist, warum hat mir das niemand vorher gesagt? Ich könnte mir so einige Stunden Lauferei ersparen.

Aber im Ernst, Nina Diercks hat rund um obiges Zitat einen ganz wundervollen Text geschrieben. Und obwohl wir es bei ihr mit einer Anwältin zu tun haben, ist es ist keiner über’s Recht, sondern dieser: Ihr wollt Kinder? Dann bekommt sie doch einfach. Und: Hört auf zu jammern! — Ein Rant.

Und der Text ist nicht nur wundervoll, sondern das auch noch auf mehrere Arten. Zum einen stimmt es schlicht, dass die Kuschelweichempörung, welche jammernd durch die Kinderfeindlichkeit anpreisende Medienlandschaft mäandert, letztlich doch sehr sinnfrei ist. Und zum anderen hat dieser Text endlich auch mal wieder eine Meinung. Und zwar eine von der Durchschnittsmelancholie abweichende. Und eine zum Handeln auffordernde. Denn genau darum geht’s letztendlich immer: einfach mal zu machen. Und zwar am besten das, was man selbst für richtig hält.

Also ganz egal, ob mit oder ohne Kindern: Bitte entscheidet Euch. Und zwar selbst. Das ist deutlich sinnvoller, als sich über all die anderen zu empören, die einem angeblich die ganze Zeit nur Steine in den Weg legen.

Und zu Texten mit einer Meinung bleibt mir auch nur eins zu sagen: Gerne wieder.

Die Sache mit dem Empörungsfasten

Was ist eigentlich aus dem großartigen Fastenplan geworden, dem Empörungsfasten? Es ging darum, sich einfach mal eine Zeit lang weniger aufzuregen und nicht jede Kuh zu reiten, die durch’s Dorf getrieben wird.

Nun, im Zeugnis würde wohl stehen: er hat sich stets bemüht.

Die Dramen der Tagesthemen habe ich ganz gut im Griff. Und ich teile meine Erfahrungen durchaus gern: Es hilft wahnsinnig, einfach mal genug zu tun zu haben. Dann bekommt man nämlich gleich viel weniger vom allgemeinen Medienzirkus mit. Und ich halte das für etwas gutes. Neil Postman sagte es schon vor 30 Jahren: Wir amüsieren uns zu Tode. Und ich ergänze: Es ist ein Unsitte. Die viele Aufregerei, das viele spontan entstehende Expertenwissen zu den großen Themen unserer Zeit: Das bindet viel wertvolle Energie. Meist hält es zwar nur ein paar Stunden an, quasi immer verpufft es jedoch wirkungslos. Und ich verrate sicher kein Geheimnis, wenn ich sage: Es ist viel beruhigender, wenn man sich mit sinnvolleren Tätigkeiten ablenkt, mit Sachen, von denen man wirklich was versteht, bei denen man nicht nur Experte für den Moment ist. Es fühlt sich nicht nur besser an, es lässt auch viele Momente der Versuchung zur Interimsempörung einfach verpuffen.

Eine ähnlich Gelassenheut wünsche ich mir selbst jetzt nur noch für’s traute Heim. Diese Momente, in denen den Kindern beim Essen ein Krümel vom Tisch fällt, obwohl man es selbst hat kommen sehen und sie trotz dezent höflich angebrachtem Hinweis nichts dagegen unternommen haben: Diese Momente sind nervenaufreibend, furchtbar geradezu. Sie treiben die eigene Contenance an die Grenzen der Belastbarkeit. Ich gebe es offen und ehrlich zu, wir sind ja hier unter uns: manchmal habe ich den Krümel nicht nur aufgehoben, sondern dabei auch ganz grimmig geguckt. Dieser Blick war Empörung pur.

Also gebe ich Ihnen einen Tipp: Wenn sich im nächsten Jahr wieder jemand mit seinem Zen des Empödungsfastens öffentlich brüstet, dann nicken Sie kurz anerkennend aber fragen lieber nicht nach, was hinter verschlossenen Türen abgeht. Es könnten sich Abgründe auftun.

Duschen oder Badewanne? Egal, es ist eh nur eine Phase.

Eines lernt man im Leben mit Kindern ganz schnell: Es verläuft in Phasen.

Was so banal klingt, ist in Wirklichkeit eine große Hilfe beim Kämpfen durch die Hürden des Alltags. Denn wir mal ganz ehrlich sind, gibt es eben nicht nur schöne Momente im Familienleben. Es gibt auch noch bessere. Zum Glück lassen sich jene, mit denen man manchmal etwas hadert respektabel häufig dadurch erklären, dass das entsprechende Kind gerade eine Phase durchmacht. Dieses verwunderliche Verhalten, dass man da erlebt: Es ist nur vorübergehend, es ist eben nur eine Phase, es hört bald wieder auf. Das ist beruhigend. Auch wenn bei genauer Betrachtung diese Phasen hübsch ineinander übergehen und sich dabei leicht überlappen. Aber halten wir uns nicht mit Details auf. Sie irritieren nur.

Wie gesagt: Die Erkenntnis der Phasen hilft im Alltag. So wundere ich mich zum Beispiel nur noch wenig, wenn genau jene Kinder, die bis gestern leidenschaftlich gern in die heimische Badewanne gestiegen sind, dieses Baden auf einmal vollkommen ablehnen und statt dessen nur noch die Dusche als Ort der Reinigung akzeptieren. Duschen ist was für die Großen, Baden für kleine Babies, erklären sie mir. Aha, sage ich. Soso, denke ich.

Und probiere das mit dem Baden glatt selbst mal wieder für eine Weile aus. Wenn die Kinder es ablehnen, kann’s so schlecht schließlich nicht sein. Außerdem hat der großartige Badespaßpreisberechnungsexperte Sven kürzlich folgendes verkündet:

Großartig! Das ist ja fast wie Geld verdienen. Also schließe ich vorerst meine abendlichen nächtlichen Laufrunden nicht mehr mit einer schnellen Dusche ab, um mich dann wieder an den Schreibtisch zu setzen, sondern entspanne erst einmal in der Badewanne und lasse am Schreibtisch nur noch meinen Kopf müde auf die Tastatur fallen. Es ist wundervoll. Und es ist nicht nur geschenkt, sondern quasi fast beinahe auch bezahlt. Besser könnt’s kaum sein. Außer natürlich, der gerade erwähnte Experte würde nicht die folgende Erkenntnis hinterherschieben:

Oller Spielverderber.

Aber ich ziehe das mit dem Baden jetzt trotzdem noch eine Weile durch. Irgendwann hört es ganz sicher eh von selbst wieder auf. Wer also meint, dass die Sache mit den Phasen irgendwann mal wieder aufhört, dem sei versichert: Keineswegs, sie lassen sich auch im hohen Alter noch ganz wundervoll kultivieren.

Indiebookday

Heute ist Indiebookday! Das bedeutet: Man gehe in eine lokale Buchhandlung, kaufe sich ein Buch aus einem unabhängigen Verlag und berichte darüber. Auf der Webseite heißt es:

Wenn Ihr die Aktion gut findet, erzählt davon.

Was soll ich sagen? Ich finde die Aktion gut. Was ich hingegen eher mäßig gut finde, ist die Sache mit dem lokalen Buchhandel. Unser Verhältnis, es ist kompliziert. Ich vertiefe das hier jetzt lieber nicht. Aber ich verrate eins: Zum physischen Buchhandel hier vor Ort bin ich heute nicht gekommen. Stattdessen war ich in der Schule. Was man halt am Wochenende so macht. Sie kennen das sicher.

untertan Aber selbstverständlich habe ich trotzdem ein Buch gekauft. Ein E-Buch halt. Das Format hat sich hier im Haus schließlich bewährt. Das gibt es regelmäßig. Das wird auch am meisten gelesen. Andere tragen ihre Hardcoverbände zum Ohrensessel vor dem Kamin. Ich lese gern, wo es gerade passt. Sei es auf der Couch, am Küchen- oder Schreibtisch, nachts im Bett – alles super, alles fein, nur diese Bücher aus Papier, sie sind oft gerade nicht zur Hand. Man hat’s wirklich nicht leicht, aber zum Glück das Telefon immer griffbereit. So sei’s, lese ich eben auf dem.

Demnächst dann wohl das hier: untertan von Joachim Zelter. Es ist das Remake eines Klassikers. Dagegen habe ich nichts, ganz im Gegenteil: Das hat sich bewährt. Das versuche ich gern wieder. Und da heute Indiebookday ist, habe ich immerhin versucht, mir das E-Book im Onlineshop des lokal vertretenen Ladens mit den in meinen Augen meisten Sympathiepunkten zu holen. Ging aber nicht. Das Werk gelang einfach nicht in den Warenkorb. Ich konnte klicken wie wild, ich konnte den Browser wechseln, ich konnte es geduldig versuchen, ich konnte es energisch versuchen – es half alles nichts. Die Sache mit dem lokalen Buchhandel, sie ist kompliziert. Ich erwähnte es ja bereits. Letztlich bin ich auf minimore ausgewichen. Es ist somit ein Buch eines unabhängigen Verlages, gekauft in einer unabhängigen Buchhandlung. Das zählt jetzt einfach. Ich bin da mal großzügig mir selbst gegenüber.

Und in der Rubrik aus dem Regal taucht das Buch sicher dann wieder auf, wenn es etwas taugt. Wir besprechen schließlich nicht alles. Genauso, wie wir nicht jede Aktion mitmachen, sondern nur die guten.

Wie den Indiebookday. Gerne wieder.

Aus dem Regal: Schwarzblende von Zoë Beck

Endlich mal wieder einen Krimi lesen. Da kann man sich schön im Elend anderer suhlen, Leichen zählen, sich andere drum kümmern lassen und ganz entspannt ein wenig dem Alltag entfliehen. Immer nur Alltagssorgen, Alltagsstress und Alltagsdramen: das kann’s doch nicht sein. Und mit Zoë Beck kommt’s auch noch von einer etablierten deutschsprachigen Autorin. Da muss man sich nicht groß in andere Welten reindenken. Da spielt die Handlung gleich um die Ecke. Da kennt man sich aus. Da weiß man schlicht, woran man ist.

So der Plan.

Und dann das.

Schwarzblende spielt in London. Schon wieder. Und den ersten Toten gibt es durch eine Enthauptung in aller Öffentlichkeit, vollzogen von Anhängern des IS. So viel zum Alltag, den Tagesnachrichten und dem Entfliehen daraus.

Immerhin kümmert sich jemand um das Klären der Angelegenheit. Die Geschichte wäre jedoch nicht von Zoë Beck, wenn diese Kümmerer einfach von der Polizei wären. Ach was. Wie wäre es stattdessen mit einem ambitionierten Dokumentarfilmer und seinem Team, die hier eine Chance sehen, mal so richtig tief in die Hintergründe von derart hochmotiviert betriebenen Verbrechen einzusteigen? Genau, das passt. Und genau das bekommt man auch, mit allen naheliegenden und ein paar erst einmal etwas abwegigeren Nebenkriegsschauplätzen, die sich in diesem Umfeld so eröffnen können.

Das ist nichts, womit man mal eben locker dem Alltag entkommt. Das fühlt sich stellenweise respektabel realitätsnah an. Da muss man somit durch. Die Geschichte ist jedoch erwartungsgemäß solide erzählt. Sie ist spannend. Sie enthält Wendungen, gern recht überraschende. Es ist ein ordentlicher Krimi, wie er sich gehört. Wenn man sich auf das Thema erst einmal einlässt, kann ich die Lektüre wirklich sehr empfehlen.

Was ich übrigens weniger empfehlen kann, ist, deswegen gleich jeden Hype mitzumachen; auf den Social Reading-Zug aufzuspringen und sich auf Sobooks, der aktuell angesagten Plattform für derlei Späße, diesem Buch zu widmen. Ich hab’s versucht und ich bin gescheitert. Zumindest auf dem Telefon funktioniert das Lesen schlicht nicht für Leute, die gern für nur ein paar Seiten in das Buch springen, dann wieder etwas anderes machen, um später zurück zum Buch zu kommen. Die Navigation ist nicht intuitiv, die Seiten gern nur halb dargestellt, beim nächsten Öffnen des Buches landet man keineswegs dort, wo man vorher aufgehört hat. Es ist wirklich nicht einfach. Zum Glück gibt’s auch ein ePub. Das funktioniert wie gewohnt. Es geht doch nichts über bewährte Techniken. Dieser ganze neumodische Kram, also wirklich, schlimm ist das.

Aber wie gesagt: Schwarzblende ist top! Und im Vergleich zu den darin geschilderten Dramen ist der Ärger mit Online-Leseplattformen letztlich nur eine banale Nebensächlichkeit. Wie beruhigend.