Empörungsfasten? Dabei.

Aschermittwoch. Der Spaß ist vorbei. Jetzt wird Enthaltung geübt. So ist’s zumindest gedacht. Obwohl ich es die letzten paar Jahrzehnte gekonnt ignoriert habe. Aber jetzt ist Schluss! Jetzt werde ich aktiv. Aktiv inaktiv, um genau zu sein. Ich schließe mich Johannes Korten an. Er hat im letzten Jahr die Idee des Empörungsfastens öffentlich formuliert. Dabei geht es darum, sich einfach mal sieben Wochen weniger aufzuregen, einfach mal sieben Wochen lang nicht jede neue Kuh mit durch’s Dorf zu jagen, einfach mal sieben Wochen lang ignoranter und gelassener zu werden. Eine großartige Idee. Ich mag sie sehr. Und das, obwohl sie – wie viele andere Fastenprojekte auch – ein sehr egoistischer Ansatz ist. Señor Korten formuliert es so:

Ich glaube, meiner Gesundheit und meinem seelischen Gleichgewicht wird das gut tun. Und die verbale Umweltverschmutzung wird vielleicht ein klein wenig reduziert.

Das klingt akzeptabel. Und den Kindern gegenüber gilt das doch sicher nicht, nehme ich an. Über sie darf ich mich doch sicher auch weiterhin den ganzen Tag aufregen, oder?

Nicht? Nein? Oh.

Auf die Ohren: Das Hörbuch zum 1. Teil meiner Serie

Es gibt Leute, die lesen nicht gern Bücher. Auch ganz kurze mögen sie nicht. Aneinandergereihte Wörter sind einfach nicht ihr Ding. Es ist auch vollkommen egal, ob wir dabei von E-Books oder Büchern aus Papier reden. Es ist schlicht nicht ihr Medium.

Der Unfall Da wir hier ein verständnisvolles Haus sind, nehmen wir natürlich Rücksicht. Und so gibt es diese Kurzgeschichte jetzt auch als Hörbuch. Man kann es sich einfach als MP3-Datei holen und diese dann am Rechner, Smartphone oder wie auch immer auf die Ohren geben.

Das ist doch nett, oder? Ich wünsche auf jeden Fall viel Spaß!

Wer übrigens Ankündigungen über (E-)Bücher sowie Hörbücher von mir schneller, direkt und per E-Mail haben möchte, kann sich gern für den entsprechenden Newsletter eintragen. Von Ankündigungen dieser Art abgesehen ist er auch recht spamfrei. Versprochen.

Warum die Jugend von heute mit Autos nichts mehr anfangen kann

Die klassischen Industrien, sie haben es schwer. Ihnen läuft ein wenig der Nachwuchs davon. Man hört es beispielsweise immer wieder: Die Statussymbole der nachwachsenden Generation stehen nicht mehr auf vier Rädern vor der Tür, sie stecken eher mit Touchscreen in der Hosentasche.

Dabei ist die Frage, wann sie ihre Anhänger verlieren. Denn auch ganz kleine Kinder können sich anfänglich durchaus für Autos begeistern. Wir hatten das hier mal. Da muss irgendwann etwas passieren. Auf dem Weg von der Begeisterung erzeugenden Technik hin zum schwergewichtigen Ballast gibt es irgendwo einen Moment, in dem die Stimmung kippt. Und ich bin mir sicher, dass in den Konzernzentralen so mancher Kopf auf der Suche nach diesem Moment raucht. Entwicklungsabteilungen tüfteln an Motoren und ihren Sounds, im Marketing werden Sprüche geklopft und Spots erdacht, die auch vor Kindern nicht halt machen. Man schaue sich hier nur einmal das Video an. Solche Ideen kommen nicht von ungefähr. Da steckt viel Aufwand drin. Und doch scheint alles für die Katz. Und doch lockt man mit dem nächsten dicken Karren kaum noch einen Halbstarken von der Tankstelle weg. Es scheint kompliziert.

Aber der Schein trügt. Es sind ganz einfache Dinge, die dem Nachwuchs nicht einleuchten. Es sind die kleinen Sachen, die ihm zeigen, dass sein bisheriger Glaube an die großen, unfehlbaren Gefährte ein Irrglaube ist. Es sind die kleinen Add-ons, welche auch kein Hersteller selbst baut, die sie sich alle fertig zuliefern lassen; Standardware vom Band, sozusagen. Aber es bleibt das Gesamtbild, das zählt. So war der Sohn des Hauses zum Beispiel durchaus noch beeindruckt, als uns das häusliche Gefährt im letzten Jahr korrekt zum dänischen Ferienhaus und wieder zurück nach Hause gebracht hat. Als er aber seine Kumpel im Vorort besuchen wollte, da war die Welt auf einmal nicht mehr in Ordnung. Noch Tage später, ach was: Wochen sind es, stellt er lapidar fest: “Dieses Navi im Auto, Papa, das kann nichts! In Dänemark kennt es sich ja ganz gut aus. Aber den Waldspielplatz in Spöck, den kennt’s nicht”, sagt der Sohn. “Echt schwach, was?”

Aber wirklich. Und liebe Hersteller: Es sind die kleinen Dinge, die zählen, nicht nur die großen Motoren. Aber die baut Ihr ja auch nicht immer selbst, somit ist’s wohl eh egal.

Lobbyarbeit für den Untertage-Marathon in Sondershausen

Heute erinnern wir uns bitte kurz an die guten alten Zeiten. Ich rede vom letzten Jahr. Es begab sich im November, da hatten wir hier einen Untertage-Marathon. Es sollte der letzte dieser Art an diesem Ort gewesen sein. Aber wer glaubt schon heute noch den Gerüchten von gestern? Eben.

So kam vor ein paar Tagen eine Bitte um Unterstützung bei der Argumentation für das Weiterführen der Veranstaltung. Und zwar in Form einer Mail an einen Herrn in einer Art von Amt. Wir nennen hier jetzt keine Namen. Aber wir nennen das Kind so, wie es sich verhält: Es geht um Lobbyarbeit. Und da ich gern und öffentlich dazu stehe, diese keineswegs per se zu verabscheuen sondern sogar für recht sinnvoll zu halten, bin ich natürlich gern dabei. Ich habe also ein hochseriöses Schreiben an den besagten Herren in diesem Amt verfasst. So sieht es aus:

Sehr geehrter Herr in dem besagten Amt,

gern nutze ich heute die Gelegenheit, Ihnen endlich mal zu schreiben, um mich dafür zu bedanken, dass Sie und Ihre Kollegen vor nunmehr über zehn Jahren die wundervolle Idee hatten, den Untertage-Marathon in Sondershausen dadurch zu unterstützen, dass Sie ihn einfach ermöglicht haben. Das war eine sehr gute Idee. Sie haben damit geholfen, etwas ganz wundervolles zu schaffen, dass besonders ist, ausgefallen, charmant, interessant und durchaus auch ein wenig verrückt.

Das ist doch genau das, was so ein Bergwerk ausmacht, oder? Es ist schon etwas Besonderes, was Sie da haben. Es ist auch durchaus ausgefallen, so ein Bergwerk direkt im Ort vorhalten zu können. Es ist charmant, das Sie es auch neben der reinen Bergwerksarbeit zu nutzen wissen. Für die Besucher, die so zu Ihnen finden, zeigt es sich als interessant. Es wäre doch verrückt, wenn Sie das alles aufgeben.

Denn wissen Sie was? Dieses Im-Kreis-Rennen der Marathonläufer weckt Interesse. Zum Beispiel bei den beiden Kindern hier im Haus. Sie haben mich im letzten Jahr sehr oft gefragt, wann ich denn nun endlich ins Bergwerk fahre zum Laufen. Sie haben sich nachher nicht nur die Bilder angesehen, sondern auch stolz meine Medaille um den Hals geworfen. Sie haben auch ihren Freunden davon erzählt. Sondershausen wurde zum Thema in Kita und Schule.

An dieser Stelle erspare ich Ihnen jetzt die Rede darüber, dass Kinder unsere Zukunft sind. Aber dass Bergwerksbegeisterte so leicht nachwachsen, dass ist doch faszinierend. Insbesondere, wenn wir uns klar machen, dass unter-10-jährige noch gar nicht selbst in den Schacht dürfen.

Jetzt verrate ich Ihnen noch, dass ich gar nicht nur meinen Kindern von den Spaß bei Ihnen erzählt habe. Es steht auch in meinem Blog. Und zur gegebenen Zeit ging es auch angemessen durch die diversen Social Media-Kanäle. Social Media, das wissen Sie sicher, ist derzeit der total angesagte Weg, um etwas Öffentlichkeitsarbeit zu machen. Hier haben wir Läufer, aber auch Interessierte, die dieses Mal gar nicht live vor Ort waren, Werbung für den Marathon, das Bergwerk und Sondershausen gemacht. Das war aber nicht nur Werbung, das hat richtig Spaß gemacht. Es hilft jedoch, wenn es diese Veranstaltung überhaupt gibt. Ansonsten gestaltet sich das mit dem Berichten etwas holprig.

Daher habe ich jetzt eine Bitte an Sie: Geben Sie sich einen Ruck und dem Untertage-Marathon eine Chance, weiter bestehen zu können. Sondershausen hat es verdient und Sie mit ihrem Team ganz sicher ebenfalls.

Oberirdisch freundliche Grüße,
Señor Rolando

Das hat jetzt fast so viel Spaß gemacht, wie das Laufen im Bergwerk selbst. Leider nur fast.

Vom Ausschlafen und selbständigen Kindern

Das Leben als Familie ist ein latent anderes als das Leben nur so für sich allein. Andere Bräuche, andere Sitten, andere Verantwortlichkeiten.

So steht man mit Nachwuchs zum Beispiel vor der Aufgabe, eben diesen nicht nur groß- sondern auch zur Selbständigkeit zu erziehen. Das passiert nicht magisch von allein, man muss sich durchaus ein wenig darum kümmern. So ist derzeit zum Beispiel viel über die diversen Spielarten der sogenannten Helikoptereltern zu lesen. Dabei muss man diese gar nicht alle verurteilen. Das passiert nämlich ganz schnell und fast von allein. Einmal nicht aufgepasst und zack, helikoptert man so vor sich hin. Das heißt nichts anderes, als dass man in jeder wachen Minute der Kinder diese fest im Blick hat. Sie stehen einfach immer unter Kontrolle, sind nie allein, machen nichts ohne Beaufsichtigung.

Das ist oft gut gemeint von den Eltern. Sie möchten sich kümmern. Sie sorgen sich. Sie widmen sich ihren Kindern. Sie möchten die Eltern sein, von denen sie selbst schon immer geträumt haben.

Das ist natürlich nicht ganz frei von Nebenwirkungen. Die Gewöhnung, die einzieht, wird tatsächlich zur Normalität. Irgendwann können alle Beteiligten gar nicht mehr ohne einander auskommen. Die Eltern werden zu Dauerbetreuern, die Kinder zu Vollüberwachten. Was für den Moment noch akzeptabel erscheint, wirft jedoch die Frage auf, was langfristig daraus werden soll. Wann lassen wir ein wenig los, ab wann darf jeder auch für sich selbst da sein, hat mal Momente ohne die anderen? Wenn die Kinder zu Teenagern werden, als Twens, ab Dreißig?

Nein, da sollte man ruhig rechtzeitig ans Werk gehen. Ruhig schon mal in frühen Jahren die Zügel ein wenig locker lassen. Und ich habe da auch einen ganz praktischen Tipp parat: Schlafen Sie einfach mal wieder aus!

Ja, genau: Ausschlafen als Hilfe bei der Erziehung. Einfach mal Liegen bleiben für den familiären Weltfrieden. Wir haben das hier im Haus einmal aufopferungsvoll getestet. Und was soll ich sagen? Es funktioniert.

Zum Einstieg nehme man sich ein Wochenende. Für die Kinder sind das schlaftechnisch Tage wie alle anderen auch. Sie stehen einfach auf, wie an jedem der sonstigen Tage. Für Nichteltern sei verraten, dass wir somit von morgens sechs Uhr, vielleicht halb sieben reden. Das geht. Das kann man machen: einfach automatisch wach werden. Kinder brauchen zu dieser Zeit noch nichtmal einen Wecker.

Als Eltern jedoch bleibt man bitte einfach liegen und schläft weiter. Sollte ein Auge zucken und die Routine drohen, es zu öffnen: widerstehen Sie dem! Drehen Sie sich lieber um und schlafen einfach weiter.

Wenn Sie die Kinder bis hierher einigermaßen brauchbar erzogen haben, werden sie schon nicht im Pyjama das Haus verlassen und nach draußen auf die furchtbar gefährliche Straße laufen. Stattdessen bleiben sie drin und sind froh, endlich mal in Ruhe spielen zu können, ohne dass sich ständig jemand einmischt und den Spaß beenden möchte. Endlich kann der Nachwuchs wirklich restlos alle vorhandenen Legosteine zu den unmöglichsten Gebilden formen. Endlich können auch die kompliziertesten Puzzle zusammengesetzt werden. Endlich kann auch der letzte Rest freien Papieres bemalt werden, ohne dass sich jemand einmischt. Endlich können sich die Kinder auch ungestört gegenseitig darauf hinweisen, was sie jeweils falsch machen, ohne, dass irgendein Erwachsener laufend meint, das gleich als Streiten bezeichnen zu können, welches doch bitte zu unterbleiben hat.

Endlich herrscht kreative Ruhe im Haus. Nach etwa drei Stunden haben sich die Kinder langsam warm gespielt. Sollte man selbst dann gegebenenfalls nicht mehr liegen können und plötzlich überraschend im Kinderzimmer sehen lassen, kann es jedoch passieren, dass der Nachwuchs nur ungläubig guckt und fragt, ob man wirklich schon wach sei. Nur mit Mühe können Sie dann vielleicht wenigstens eines der Kinder überreden, mit ins Bad zu kommen. Wenn das jedoch klappt, bekommen sie dieses immerhin ausgehfertig gemacht und können es mit zum Bäcker nehmen. So brauchen Sie dort wenigstens nicht allein aufzutauchen, das wäre ja auch unangenehm, so kurz vor Ladenschluss.

Beim Frühstück haben Sie übrigens auch Ihre Ruhe. Die Zeitung ist jetzt sicher schon da. Die Kinder essen ruhig, weil sie wirklich langsam Appetit bekommen haben. Nur um den frischen Kaffee müssen Sie sich vielleicht noch selbst kümmern.

Aber so insgesamt kann ich das Konzept sehr empfehlen. Also lassen Sie ruhig mal los. Lassen Sie die Kinder einfach mal ein wenig in Ruhe. Es tut ihnen gut und in diesem Fall auch den Eltern gar nicht weh.

Wenn das mal nichts ist.

Aus dem Regal: Von der Notwendigkeit, den Weltraum zu ordnen

Wissenschaftler sind ein wenig gestörte Gestalten, oder? So stellen wir sie uns zumindest vor: intelligent, introvertiert, etwas weltfremd, für den Alltag nicht zu gebrauchen. So in etwa kommen sie auch in den Kurzgeschichten von Pippa Goldschmidt vor. Diese Geschichten hat Zoë Beck übersetzt. Krimis sind das trotzdem nicht.

Es sind Erzählungen über Wissenschaftler. Das ist zumindest ihr wohl kleinster gemeinsamer Nenner. Es sind meist Physiker, Astrophysiker oft, wenn man es richtig genau nehmen möchte. Und immer tun diese Wissenschafter genau eins: dem obigen Klischee entsprechen. Sie sind intelligent, introvertiert, weltfremd, den anderen um sie herum gleichzeitig nicht gewachsen und haushoch überlegen. Es ist faszinierend.

Diese Geschichtensammlung hebe ich mir auf. Ich werde sie an die Kinder weitergeben. Nicht als Gutenachtgeschichten, zumindest nicht jetzt, nicht zu Vorlesezeiten. Aber zum selbst Lesen. Später. In diesen Teenagerzeiten. Wenn sie an sich selbst zweifeln, die Welt in Frage stellen, ihren Platz darin suchen, ihn finden, wieder verlieren und das Spiel ein paar Mal wiederholen. Dann können sie einen Blick auf diese Geschichten werfen und hoffentlich zumindest eins erkennen: es ist egal. Wie man sich auch entscheidet, welchen Weg man auch geht, einen Sinn gibt’s überall. Auch, wenn ihn andere vielleicht nicht sehen. Oder ganz besonders dann.

Eine schöne Textsammlung. Ich kann sie empfehlen. Nicht nur Wissenschaftlern.