Aus dem Regal: Secret Agency von Alper Canıgüz

(aus dem Türkischen von Monika Demirel)

Geh zum Indiebookday, hieß es. Da erlebst Du was, hieß es. Bücher, hieß es. Aus unabhängigen Verlagen. Neues entdecken. Geschichten erzählt bekommen.

Also ging ich hin. Und was war? Secret Agency war. Aus dem binooki-Verlag. Das Haus ist spezialisiert auf türkische Gegenwartsliteratur.

Wer jetzt mit den Augen rollt, dem sei gesagt: Das ist gar nicht so schlimm. Also das mit der türkischen Gegenwartsliteratur. Ich lese diese zugegebenermaßen auch nicht so oft. Aber hier bot sich jetzt mal eine Gelegenheit. Also: zack, zugeschlagen. Und es tat gar nicht weh. Die Geschichte ist erst einmal eine ganz normale. Es geht um eine Agentur, in der sich Leute etwas komisch benehmen. Das muss so. Das kennt man so. Ganz bestimmt nicht nur in der Türkei. Der Hauptdarsteller ist in seiner naiv verlorenen Art äußerst sympatisch. Und obendrein gibt’s noch etwas Herzschmerz. Das spricht doch wirklich jeden an. Wenn die Darsteller nicht alle etwas ungewohnte Namen hätten und nicht zu jeder Mahlzeit sowie als Zwischendurchsnack laufend zu Böreks greifen würden: man könnte erstmal gar nichts merken. Einfach etwas gängigere Namen und Mahlzeiten und siehe da: deutsche Gegenwartsliteratur.

Bis auf einmal die Namen etwas bedeuten. Bis auf einmal das Essen in den Hintergrund tritt, weil sich die Personen noch absurder benehmen als es ohnehin in den Agenturen der Fall ist. Bis auf einmal Außerirdische auf dem Radar auftauchen. Und das Ganze derart komisch verpackt ist, dass man das Gefühl nicht los wird, dass einen der Autor ganz gehörig verschaukeln möchte.

Wahrscheinlich stimmt das sogar. Wahrscheinlich verschaukelt uns der Autor einfach nur nach Strich und Faden. Aber sei’s drum: Er macht es so charmant, dass man sich total glücklich fühlt dabei.

Was will man mehr?

Unabhängige Verlage FDG! Den Spaß mit dem #indiebookday können wir ruhig öfter treiben.