Leseempfehlung: Pia Ziefle zur Eventisierung der Kindheit

Nur selten gebe ich ich hier Linkempfehlungen. Nur selten sage ich: “Guckt mal dort, jener Text ist lesenswert, geht da mal hin.” Denn zum einen können das andere besser und zum anderen bin ich mir sicher, dass Ihr die guten Texte eh schon kennt und meist sogar deutlich vor mir gesehen habt.

Heute gibt’s trotzdem mal eine Ausnahme. Heute geht Ihr bitte alle mal zu Frau Ziefle, welche in einem Rant die omnipräsente Eventisierung der Kindheit an den Pranger stellt. Das ist kein ganz neues Thema. Das haben andere vor ihr auch schon getan. Aber nur wenige können es trotz aller Gereiztheit und schlechten Laune so wundervoll in Worte fassen. Die Dame kann das bekanntermaßen auch in Buchform, wir hatten das schon mal. Aber auch in kurz und zu einem Alltagsthema brilliert sie wirklich.

Ich greife mal eine beliebige Stelle heraus:

Mütter backen sich nachmittags die Finger wund, Lehrer*innen haben Handpuppenalpträume, Väter lesen im Väterhandbuch nach, welche Aktivität sie mit ihren Kindern ausüben müssen für eine stabile Vater-Sohn-Bindung, und die Kinder müssen 24 Stunden am Tag begeistert sein, sonst fragen sich all diese Erwachsenen sofort, was sie falsch gemacht haben und wo es Optimierungsbedarf gibt.

In dem Tenor wird vorher eingeleitet. In dem Tenor geht es anschließend weiter. Und es ist nicht nur insgesamt ganz wundervoll geschrieben, sondern Madame Ziefle hat recht.

Warum also entspannen wir alle nicht ein wenig mehr? Verdammt nochmal!

2 Gedanken zu “Leseempfehlung: Pia Ziefle zur Eventisierung der Kindheit

  1. <3

    Und ja, ist es nicht verrückt? Ich denke immer, diese Eltern von heute sind doch #allebekloppt, aber dann sage ich halt lieber nix, weil ich ja selbst keine Kinder habe (Kriege halt nur die eine oder andere Geschichte über die Patensöhne und das Cousinenkind mit). Und Leute ohne Kinder und Hunde wissen ja bekanntlich immer ALLES über Kinder und Hunde … Doch Pias Artikel war mir eine echte Wohltat, es blies das Gefühl hinweg, allein auf weiter Flur so zu denken.

    1. Erstaunlich ist es ja auch, dass in unserer Filterblase quasi alle “Jawollja” rufen und wir dann geschlossen auf die eventisierenden Anderen zeigen.

      Drollig sind wir manchmal selbst, so ist’s ja nicht.

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