Bücherbüffet

Das Leben in den Südstaaten, es ist nicht immer ein Leichtes. So prangere ich beispielsweise mit beharrlicher Ausdauer an, dass viele der textsicheren ins-Internet-Schreiber eher nördlich der Fischkoppgrenze wohnen als hier im südlichen Binnenland. Von der fabelhaften Frau Ziefle einmal abgesehen. Jetzt mal unter uns: So geht das doch nicht! Wen soll ich denn da anhimmeln? Vor wem soll ich denn da bewundernd auf die Knie fallen? Eben. Es ist eine Unsitte. Man kann ja nicht immer in den Norden fahren, wenn man mal eine entspannte Lesung oder ähnliches erleben möchte. So einfach ist das schließlich nicht, wir hatten das ja gerade erst. Liebe Südstaaten, ich bitte um mehr Flair. Also wirklich.

Da trifft es sich gut, dass kürzlich ein paar in der lokalen Verlagsszene hochaktive Damen das Bücherbüffet veranstaltet haben. Das ist eine kleine Veranstaltungsmesse rund um das gedruckte Wort. Und ja, die Schreibweise stimmt schon so. Außerdem gibt’s die ganzen Umlaute nicht nur im Titel, sondern sogar im zugehörigen Domainnamen. Jetzt mal ganz ehrlich: Wie großartig ist das denn? Ich meine: Wir schreiben das Jahr 2013 und wenn wir uns mal so umschauen, stellen wir fest, dass wir erstaunlich oft erstaunlich große Probleme damit haben, ganz stinknormale und gewöhnliche Umlaute in den Rechner herein und wieder aus ihm heraus zu bekommen. Das ist erschreckend. Radfahren, Autofahren, Fliegen: geht alles. Umlaute jedoch eher nicht so. Komischerweise vor allem dann, wenn man die eher technikaffinen Mitbürgerinnen und Mitbürger fragt. Jetzt kommen die Verleger und stellen alles auf den Kopf. Bücher! Umlaute! Revolution! Das gab’s in der Kombination schon eine Weile nicht mehr.

Die Veranstaltung selbst spielt den Ball übrigens etwas flacher. Charmant flacher, versteht sich. Ort der Handlung ist dabei eine ehemalige Fleischhalle. Das passt doch. Erst nimmt man Tiere auseinander und setzt sie in neuer Konstellation wieder zusammen. Dann macht man das Gleiche mit Texten. Da zeigt jemand Mut zu Analogien. Ich mag so etwas. Vor allem, wenn es konsequent ausgestaltet wird. Wie beispielsweise bei zumindest einer der Abendveranstaltungen. Bei welcher auch etwas zu Essen geboten wird. Durchaus vegan, versteht sich. Wir reden hier schließlich von der Kreativbranche. Noch direkt live bei der Veranstaltung gibt es folgenden Kommentar dazu:

Dieses eher versteckt gehaltene Kompliment führt dazu, dass ich bei dieser Gelegenheit glatt den lokalen Ableger von Coffee-Bike kennenlerne, bei welchem ich von der charmanten Dame hinter dem Veranstaltungsblog nicht nur einen feinen Nachtisch, sondern auch einen Kaffee zum Trost spendiert bekomme. Das nenne ich Social-Media-Monitoring, welches man sich auf der Zunge zergehen lassen kann. Daran können sich andere ein Beispiel nehmen. Ich bin übrigens sehr flexibel, was die Wahl meines Nachtischs anbelangt. Aber das nur nebenbei.

Wenn man sich bei der Veranstaltung zwar erst einen Sitzplatz rechtzeitig vorher reserviert, dieser dann aber auf einmal in der ersten Reihe liegt, findet man sich schnell ganz hinten in der Halle wieder. Dort steht der Tresen. So ein Tresen geht ja immer. Gern auch auf Literaturveranstaltungen. Und bei der üblichen Unruhe in der letzten Reihe stellt man schnell fest, dass man sich den Platz mit dem Herrn von der Lesegefahr teilt. Irgendeine Gefahr lauert tatsächlich immer. Aber dieses Mal passt es glatt. Zufälle gibt’s, man glaubt es kaum. Er kommt übrigens nicht nur hier aus der Gegend, sondern macht unter anderem einen Podcast. Mit Folgen, die eher zehn Minuten als zwei Stunden lang sind. Damit schwimmt er gegen den aktuellen Strom. Sehr sogar. Und das ist gut so, man kann’s gar nicht deutlich genug sagen.

So ganz nebenbei kann man auf dieser einen Veranstaltung die passende Örtlichkeit für kommende andere aufschnappen. Das Wohnzimmer Karlsruhe zum Beispiel. Das hatte zwar gar keinen Stand in der Halle, aber Thema wurde es trotzdem irgendwie, irgendwann, mit irgendwem. Und dieses Wohnzimmer scheint mir eine hochgradig vernünftige Kulisse für Lesungen hier vor Ort zu sein. Wie großartig klingt das denn? Mit denen sollte man dringend mal etwas machen. Da geht noch was.

Die Südstaaten, ich unterschätze sie wohl. Und, Bücherbüffet: Gerne wieder.