Aus dem Regal: Länger als sonst ist nicht für immer von Pia Ziefle

Was für ein Buch. Was für ein Buch 2. Mit Länger als sonst ist nicht für immer hat Señora Ziefle nach Suna gemacht, wovor die meisten Autoren mit einem derart fulminanten Debüt ein wenig Sorge haben: einen adäquaten Nachfolger abgeliefert. Damit ist dann eigentlich auch schon alles gesagt.

Inhaltlich geht’s ganz einfach um Abschiede. Liebende trennen sich hier oder werden voneinander getrennt. Sei es bei den einen, weil sie aus der DDR in den Westen gehen, sei es bei anderen, weil jemand seinem inneren Ruf zum Weiterziehen folgt.

Und als Leser sind wir bei denen, die zurückbleiben. Das ist nicht immer schön, ganz klar. Das ist alles hochgradig traurig, wenn man auch nur kurz darüber nachdenkt. Aber es ist so wunderschön erzählt, dass man gern mitfühlt, dass man gern dabei bleibt, weil man durchaus wissen möchte, ob sich nicht doch noch alles ganz fein zum Guten wendet, was es natürlich nicht tut, aber so ist doch auch das Leben. Es ist verzwickt.

Und während Pia ihr sprachliches Handwerkzeug ganz klar beherrscht, macht es Spaß, dass auch die kleinen Details am Rande stimmig sind. So heißen die Eltern im Osten Mutti und Vati. Das kann sich ja mancher heute gar nicht mehr vorstellen, aber so war es wirklich. Und auch das Laissez-fair in Indien, welches sie ganz beiläufig in der Geschichte mit unterbringt, wirkt authentisch und deckt sich zumindest mit meinen sporadischen Erfahrungen.

Und als wäre all dieses kunstvolle Ineinanderweben von sprachlichem Stil, Recherchekunst und Geschichtenerzählerei nicht ausreichend, findet sie in den Danksagungen sogar noch Platz für Blixa Bargeld und Meret Becker mit Stella Maris. Das ist, mit Verlaub, eine der schönsten Singles, die je erschienen ist. Und dieses Buch spielt in einer ganz ähnlichen Liga: es serviert bittere Melancholie, die jedoch so umwerfend präsentiert wird, dass man sich nicht von ihr losreißen kann.

Eine Empfehlung? Eine ganz gehörige!