Aus dem Regal: Asphalt von Axel Hollmann

Das ist doch mal was. Das ist ein Roman von einer der beiden Stimmen des Schreibdilletanten-Podcasts. Den höre ich durchaus gern. Die beiden Macher sind recht unterhaltsam. Das ist nicht wenig, denn sie reden über Theorien des besseren Schreibens, um es mal etwas plump zusammenzufassen. Da möchte man doch gern einmal wissen, wie die praktischen Ergebnisse ihrer theoretischen Betrachtungen so aussehen. Also ich möchte das. Und hier gibt’s endlich mal die Gelegenheit.

Asphalt ist ein Krimi. Die Geschichte ist durchaus charmant konstruiert. Es gibt ein paar anständig böse Charaktere. Morde gibt’s auch. Und es gibt einen Guten. Oder besser: eine Gute.

Und da liegt leider auch die Crux. Denn diese Dame wirkt ein wenig, nun, sagen wir: überzeichnet. Sie ist eine ehemalige Polizistin. Das ist noch OK. Jetzt lebt sie davon, billige Fotos an die billige Presse zu verkaufen. Das mag man auch noch OK finden. Aber mit dem Hintergrund und ihren angeblichen Erfahrungen wirkt ihre Alltagsnaivität durchaus ein wenig plump. Und tatsächlich stört das beim Lesen. Ob sie sich nun wundert, dass man bei einem Empfang der lokalen High Society eher mit Abendkleid und Sektflöte flaniert als im T-Shirt mit einem Bier in der Hand am Grill zu stehen oder ob sie bei einem Angriff der bösen Jungs innerlich eher um das Loch in ihrem T-Shirt trauert als sich Sorgen um ihre Schuss-, Stich- oder sonstige Wunde zu machen, das alles glaubt man ihr nicht. Also: ich glaube ihr das nicht.

Und sie braucht es auch nicht. Weder die Heldin, noch die Geschichte. Denn beides ist auch ohne dem stark genug. Grundsätzlich passt diese Dame mit ihrem Ehrgeiz, starken Willen und Durchhaltevermögen wunderbar in das umgebende Geflecht aus Intrigen, roher Gewalt und Polizeibürokratie. So ist’s ja nicht.

Ist das hier eine Empfehlung? Wenn man das Genre mag, dann durchaus. Und den Podcast höre ich mir auch weiterhin an.