Aus dem Regal: Lady Bag von Liza Cody

Krimimaterial, heute mal anders. Hier gibt’s nicht die übliche Leiche als Intro mit dem Kriminalbeamten, der den Rest der Geschichte den Verursacher für diese sucht. Hier gibt’s stattdessen eine Obdachlose, welche sich durch die Gefahren des Alltags manövriert und entlang des Weges immerhin auch über Leichen und Kriminalbeamte stolpert. Das ist doch mal ein erfrischend alternativer Ansatz. Das tut gut.

Wie bei dieser Hauptdarstellerin zu erwarten, strotzt die Geschichte natürlich vor Schilderungen des Elends der Gesellschaft. Wenn man jetzt aber denkt, dass der Leser deswegen in einen Dauermitleitsmodus verfällt, hat sich getäuscht. Zum einen ist Mitleid an dieser Stelle eh total unangebracht. Zum anderen gehört das Elend zur erzählerischen Dramaturgie. Es bildet eine solide Kulisse, welche der Geschichte sehr weiter hilft und die teilweise Verwirrung der Protagonistin erst glaubwürdig macht.

Dass dieses Buch nicht einfach nur billig anprangert, zeigt sich auch daran, dass selbst am augenscheinlichen unteren Ende der Gesellschaft starke Persönlichkeiten spielen. Klar spielt Alkohol eine Rolle. Klar ist eine Obdachlose auch schon mal abhängig von diesem. Aber ebenso klar ist relativ schnell, dass sie trotzdem nicht auf den Kopf gefallen ist. Wenn man nur auf’s große und ganze Bild guckt, ergibt vieles einen Sinn. Das beruhigt. Ebenso wie die mit Stylingfragen beschäftigte Freundin, die eigentlich ein Freund ist – oder umgekehrt, ganz wie man es nimmt.

Da es eben keine klassische Kommissar-sucht-Mörder-Geschichte ist, funktioniert natürlich auch das Ende ein wenig anders als gewohnt. Happy ist hier eh schwer möglich. Aber der Weltuntergang droht auch nicht. Es liegt irgendwo dazwischen. Und es passt, wie übrigens die ganze Erzählung.

Insgesamt ist Lady Bag von Liza Cody somit eine klare Empfehlung. Und es ist schon wieder ein Buch von CulturBooks. Das mit den Verlagen, das ist also noch nicht gegessen, das Thema. Auch gut.