Aus dem Regal: Schwarzblende von Zoë Beck

Endlich mal wieder einen Krimi lesen. Da kann man sich schön im Elend anderer suhlen, Leichen zählen, sich andere drum kümmern lassen und ganz entspannt ein wenig dem Alltag entfliehen. Immer nur Alltagssorgen, Alltagsstress und Alltagsdramen: das kann’s doch nicht sein. Und mit Zoë Beck kommt’s auch noch von einer etablierten deutschsprachigen Autorin. Da muss man sich nicht groß in andere Welten reindenken. Da spielt die Handlung gleich um die Ecke. Da kennt man sich aus. Da weiß man schlicht, woran man ist.

So der Plan.

Und dann das.

Schwarzblende spielt in London. Schon wieder. Und den ersten Toten gibt es durch eine Enthauptung in aller Öffentlichkeit, vollzogen von Anhängern des IS. So viel zum Alltag, den Tagesnachrichten und dem Entfliehen daraus.

Immerhin kümmert sich jemand um das Klären der Angelegenheit. Die Geschichte wäre jedoch nicht von Zoë Beck, wenn diese Kümmerer einfach von der Polizei wären. Ach was. Wie wäre es stattdessen mit einem ambitionierten Dokumentarfilmer und seinem Team, die hier eine Chance sehen, mal so richtig tief in die Hintergründe von derart hochmotiviert betriebenen Verbrechen einzusteigen? Genau, das passt. Und genau das bekommt man auch, mit allen naheliegenden und ein paar erst einmal etwas abwegigeren Nebenkriegsschauplätzen, die sich in diesem Umfeld so eröffnen können.

Das ist nichts, womit man mal eben locker dem Alltag entkommt. Das fühlt sich stellenweise respektabel realitätsnah an. Da muss man somit durch. Die Geschichte ist jedoch erwartungsgemäß solide erzählt. Sie ist spannend. Sie enthält Wendungen, gern recht überraschende. Es ist ein ordentlicher Krimi, wie er sich gehört. Wenn man sich auf das Thema erst einmal einlässt, kann ich die Lektüre wirklich sehr empfehlen.

Was ich übrigens weniger empfehlen kann, ist, deswegen gleich jeden Hype mitzumachen; auf den Social Reading-Zug aufzuspringen und sich auf Sobooks, der aktuell angesagten Plattform für derlei Späße, diesem Buch zu widmen. Ich hab’s versucht und ich bin gescheitert. Zumindest auf dem Telefon funktioniert das Lesen schlicht nicht für Leute, die gern für nur ein paar Seiten in das Buch springen, dann wieder etwas anderes machen, um später zurück zum Buch zu kommen. Die Navigation ist nicht intuitiv, die Seiten gern nur halb dargestellt, beim nächsten Öffnen des Buches landet man keineswegs dort, wo man vorher aufgehört hat. Es ist wirklich nicht einfach. Zum Glück gibt’s auch ein ePub. Das funktioniert wie gewohnt. Es geht doch nichts über bewährte Techniken. Dieser ganze neumodische Kram, also wirklich, schlimm ist das.

Aber wie gesagt: Schwarzblende ist top! Und im Vergleich zu den darin geschilderten Dramen ist der Ärger mit Online-Leseplattformen letztlich nur eine banale Nebensächlichkeit. Wie beruhigend.