Aus dem Regal: Der Ozean am Ende der Straße

Wenn eine Geschichte von einem Siebenjährigen und einer Elfjährigen erzählt, muss es sich noch lange nicht um ein Kinderbuch handeln. Wenn man kurz darüber nachdenkt, ist das eigentlich eh klar. Aber hier wird es von Neil Gaiman und seinem Übersetzer Hannes Riffel recht deutlich vorgeführt.

Und das ist gut so. Denn wir bekommen eine ganz wundervolle Geschichte, die voller Geheimnissen, übermenschlichen Kräften, Träumen, ehrlich Bösem und rettenden Damen erzählt. Das ist eine Kombination, wie sie vielleicht nur mit Kindern möglich ist. Kinder dürfen schließlich noch eine Menge, sie haben noch Phantasie, sie brauchen gar nicht immer so ganz genau zwischen Realität und dem denkbar möglichen zu unterscheiden. Das machen wir erst später. Das kommt noch früh genug, dass wir alles immer unbedingt rational erklären können müssen. Bei Kindern ist das nicht nötig. Da ist der träumende Spielraum größer. Umso größer können auch die Horrorgeschichten sein, die sich im Kopf entfalten.

Ich kannte vor diesem Buch Neil Gaiman noch gar nicht. Das kommt davon, wenn man ignorant durchs Leben geht und nicht wenigstens seinen regelmäßigen Blick auf die Bestsellerlisten wirft. So erfolgsarm ist der Mann nämlich gar nicht. Ich finde das gut. Ich gönne ihm das. Bei seinem Erzählstil verstehe ich das. Was ich keinesfalls immer behaupten kann. Bei anderen hochgelobten Autorenstars drücke ich mein Unverständnis immerhin glasklar in dezenten Nebensätzen aus.

Nicht so hier. Hier empfehle ich die Geschichte sehr. Vielleicht ja auch aus Unverständnis, das kann durchaus sein. Aber wenn, dann immerhin aus einem gut unterhaltenen.