Ein Buch für Kai

Jetzt geht es mal um etwas ganz anderes. Jetzt geht es um ein Buch für Gutmenschen. Es ist ein Buch für Kai. Kai heißt eigentlich Kai-Eric Fitzner und ist der Autor von Willkommen im Meer. Kai hat außerdem vor kurzem einen Schlaganfall erlitten, mitsamt Koma. Das braucht niemand, das gönnt man niemandem, das ist ein großer Mist. Immerhin gab es für Kai eine Online-Unterstützungswelle, die sich gewaschen hat.

Immer im Meer Das war eine gute Aktion. Das Netz hat sich als sozial erwiesen. Es ging darum, für Kai zu spenden oder dieses Buch von ihm zu kaufen. Dieses Buch zu kaufen war also eine gute Tat. Das habe ich doch gern gemacht.

Und ich hatte definitiv überhaupt keine Lust, mit dem Lesen auch nur anzufangen. Dieses ganze Gutbürgertum ist wohl tatsächlich zu viel für mich. Irgendwas passiert immer, der Aufschrei ist dann kurz mal kollektiv und groß, alle liegen sich in den Armen, und sei es nur virtuell, und alles wird gut. Bestimmt. Schließlich haben wir uns gemeinsam empört. Oder gemeinsam etwas total gutes gemacht. Wenn es die anderen auch alle machen, dann ist es doch gut, oder? Lieber auch schnell mal klicken. Bevor die große Welle vorbei ist und es keiner mehr merkt.

Dummerweise ist diese Geschichte hier, die Geschichte von Kai, recht brauchbar. Um einen Lehrer geht’s. Um einen, der nicht ganz rein passt in sein angepasstes Umfeld. Es geht auch um seine Familie und ein paar Freunde. Sie passen alle zu ihm und somit ebenfalls nicht ins Umfeld. Das bietet Empörungspotenzial ohne Ende. Das ist sehr lesenswert. Allerdings legt die irgendwie sehr nahe liegende Ironie zwischen der Geschichte und dem Tamtam, mit dem sie an die Öffentlichkeit kam, einen Schatten darüber. Dazu kommt noch eine gesunde Portion Gutmenschenpathos, den die nicht-Angepassten der Geschichte einbringen. Alle sind total gut. Alles ist total gut. Hier retten sie die Welt. Und sie tun es so ethisch korrekt und überlegen, wie die besagte feine Unterstützungswelle zum Buch und seinem Autor. Ganz ehrlich? Es ist zu viel. Das muss doch alles nicht sein.

Wahrscheinlich sollte ich mich einfach weniger anstellen. Es ist schließlich ein feiner Text, ich hätte ihn ohne das ganze Tamtam wohl wirklich nicht entdeckt. Das wäre schade gewesen.

Jetzt kann ich die Geschichte leider sehr empfehlen. Man kann sie sich in Ruhe holen und lesen. Und wer möchte, kann dabei auch gern seinen kleinen Beitrag zu einem guten Zweck leisten. So schlimm ist das ja nun auch wieder nicht. Zumal die Welle eh schon wieder vorbei ist. Die Guten sind schon wieder beim nächsten Skandal.