Aus dem Regal: Das Leben ist ein Erdbeben und ich stehe neben dem Türrahmen von Fabian Neidhardt

Cover Fabian Neidhardt: Das Leben ist ein Erdbeben Im Podcast des Hauses geht es recht regelmäßig um die Frage, wie man als Leser eigentlich seine Texte findet. Das ist eine sehr spannende Frage. Und sie ist erheblich vielschichtiger als man das gemeinhin erst einmal ganz spontan naiv annehmen könnte. Ohne jetzt viel auf die möglichen Variationen und Spielarten des Entdeckens von Texten eingehen zu wollen, verrate ich so viel: Empfehlungen spielen eine erhebliche Rolle.

Und damit meine ich gar nicht mal ausschließlich die Empfehlungen, die man von guten Freunden gelegentlich bekommt. Die können sehr schön sein, keine Frage. Aber so manches Mal haben sie auch den Charme einer auf ihnen basierenden Gefälligkeitslektüre. Man ist schließlich unter Freunden. Bekommt man da eine Empfehlung, befolgt man sie irgendwie auch. Es wird schnell kompliziert.

Ganz anders ist es mit dem Ignorieren von Empfehlungen aus dem Buchladen. Das ist auch eine sehr spannende Sache. Also sowohl das mit den Empfehlungen als auch das mit dem Ignorieren. Das heben wir uns aber für ein anderes Mal auf. Das besprechen wir hier noch einmal separat. Das Thema hat es verdient.

Aber: Wo kommen die brauchbaren Empfehlungen denn dann her?

Aus dem sozialen Mediengedöns zum Beispiel. Neben Blogs sind hier kurioserweise vor allem Podcasts eine sehr spannende Quelle der Inspiration. Da empfiehlt das gesprochene Wort das geschriebene Wort. Es ist wirklich faszinierend. Und es passiert zum Beispiel beim Literaturcafé. Dort war vor einer Weile Fabian Neidhardt zu Gast. Und neben feinen Texten hat er sein Hörbuchprojekt Incommunicado vorgestellt. Die Produktion eben dessen konnte man unterstützen. Und dafür gab’s glatt seinen Debut-Roman Das Leben ist ein Erdbeben und ich stehe neben dem Türrahmen als Geschenk dazu.

Das nenne ich mal clever.

Der Autor überzeugt erst mit seiner eloquenten Rhetorik, die man sich selbst direkt auf die Ohren gibt und schickt einem danach ein signiertes Buch ins Haus. Was soll man da anderes machen, als selbiges zu lesen? Eben.

Und ich stelle fest: Sein Handwerk versteht Herr Fabian sehr gut. Es ist vor allem eine klassische Heldenreise, die er hier erzählt. Man fiebert mit Will – dem Hauptdarsteller der Geschichte – durch seine Tiefen und sporadischen Höhen hindurch. Es stört dabei sogar nur wenig, dass dieser ausgerechnet ein Autor ist. Dieses Selbstreferenzielle ist gemeinhin meist ein wenig abschreckend. Hier ist es jedoch erträglich. Vielleicht kommt das daher, dass er keine Krimis sondern Pornos schreibt. Über eine Empfehlung ist er zu dem Job gekommen. Und ohne diese kleine Perversion der Gefälligkeiten würde der Geschichte viel fehlen. Zu reibungslos würden wir sonst durch seine (ehemaligen) Beziehungen mäandern. Es währe latent mühselig. Aber zum Glück schreibt er Pornos.

Das ist am Ende so elegant gelungen, dass ich mit emotional verwässertem Blick auf die letzten Seiten geguckt habe. Es ist wahrlich eine sehr schön erzählte Geschichte. Nur über das Cover sollten wir nochmal reden. Die Idee dahinter ist klar und leuchtet ein. Sie zäumt das Pferd aber verkehrt herum auf. Dieses Cover funktioniert, nachdem man das Buch gelesen hat. Es wäre doch aber viel schöner, es könnte vorher bereits seine Wirkung entfalten, oder?

Na, sei es drum. Irgendwas ist bekanntermaßen immer. Was zählt, ist der Text. So sagt es ein buchverschlingender Aussteigertyp in der Geschichte. Und er hat vollkommen recht. Und Empfehlungen aus Podcasts nehme ich gern weiterhin entgegen.