Aus dem Regal: Ministerium für öffentliche Erregung von Amanda Lee Koe

Amanda Lee Koe: Ministerium für öffentliche Erregung Kurzgeschichten sind im Trend. Vor gar nicht allzu langer Zeit gab es einen passenden Nobelpreis dafür. Und der aktuelle ist thematisch auch nicht weit weg.

Aber selbst in der zweiten Reihe tut sich was. Dort, wo nicht gleich der eine wahre Preis verliehen wird. Dort, wo es regionale Preise und Auszeichnungen gibt. Mehrere davon hat dieses Buch bekommen. Die schönste Ehrung dieses Werkes ist sehr sicher, dass es als eins der 10 besten Bücher der letzten 50 Jahre Singapurs gekürt wurde.

Das ist nicht nur schön, das passt auch. Denn die Autorin kommt aus Singapur. Und Zoë Beck hat diese Geschichtensammlung ins Deutsche übersetzt. Und spätestens damit sollte eines klar sein: So schlecht sind diese Texte wohl nicht. Was stimmt. Das sind sie nicht. Ganz im Gegenteil sogar. Es sind sehr feine Texte, erlesene Texte, sorgfältig erzählte Texte.

Ja, sorgfältig erzählt. Denn thematisch macht die Autorin hier genau das, was in Kurzgeschichten sehr gern passiert: Das Alltägliche reflektieren. Damit ist die Themenwahl durchaus ein wenig gewöhnlich. Hier regiert das Ordinäre. Es geht um Gefühlslagen, es geht um Beziehungen, es geht jedoch eher weniger um Herzschmerz. Es geht um Frauen, um Männer meist eher indirekt und doch geht es nicht um plump vorgetragenen Stockfotospruch-Feminismus. Es geht um Tabus, es geht um Repressionen, keineswegs geht es aber um anprangernde Kommentare zur Tagespolitik.

Und bei allem geht es um das Erzählen, um die Kunst des Erzählens. Es geht eben nicht darum, etwas real oder gedacht Geschehenes einfach nachzuerzählen. Sondern die Texte schaffen es vielmehr, beim Erzählen Gefühle zu vermitteln. Es sind Gefühle der Verzweiflung, der Einsamkeit, des nostalgischen Verklärens, der Sehnsucht. Das fühlt sich teilweise durchaus so melancholisch an, wie es jetzt klingen mag. Teilweise steckt jedoch eine Zuversicht in den Geschichten, die im dramatischen Drumherum der jeweiligen Erzählung gar nicht offensichtlich ist. Aber so ist das nunmal mit den Gefühlen: Sie sind nicht immer nur euphorisch. Sie sind nicht immer nur niederschmetternd. Sie pendeln vielmehr zwischen den Extremen.

Und was mehr möchte man von sorgfältig erzählten Texten erwarten, als dass sie die Gefühle anregen? Eben.

Eine Empfehlung. Und das nicht nur, weil Kurzgeschichten vollkommen zu Recht im Trend liegen.