Aus dem Regal: Wattenstadt von Oliver Driesen

Diesen Trailer hatten wir hier schon mal? Jo, stimmt. Sachen gibt’s, man glaubt es kaum. Das liegt aber keineswegs nur daran, dass hier im Haus die Ideen ausgehen. Sondern es liegt in diesem Fall ganz einfach an Wattenstadt, dem feinen Wirtschaftskrimi von Oliver Driesen.

Wattenstadt Im Text geht es darum, dass ein testosteronschwangerer Ruhrpottbaron eine gigantische Unterhaltungsanlage im Herzen des unschuldigen Wattenmeeres baut. Alle Widerstände normaldenkender Menschen haben dabei keine Chance. Da werden Beziehungen genutzt, Intrigen geschmiedet, bisher nicht überzeugten Menschen argumentativ ein wenig auf die Sprünge geholfen. Sprich: Es wird alles Mögliche und ein solider Anteil von Unmöglichem unternommen, um Stolpersteine aus dem Weg zu räumen. Bei dem ganzen Spaß bleibt es lediglich lange offen, welche Rolle kleine Schnecken – Wellhornschnecken – spielen. Aber es wird aufgeklärt. Und das ist gut so.

Gut ist auch, dass der Autor dieses Buch geschrieben hat. Zum einen gäbe es eben dieses ansonsten nicht. Zum anderen passt der Text zum Autor. Selbiger ist doch tatsächlich Wirtschaftsjournalist. Sachen gibt’s, man glaubt sie kaum. Immerhin hat ihn dieser Umstand zu der Freude geführt, diesen Text zu schreiben. Das Ergebnis ist ein sprachliches Monstrum. Was natürlich im bestmöglichen Sinne gilt. Hier gibt es wohlgeschliffene Formulierungen ebenso schwungvoll wie kräftige Metaphern. Hier werden starke Männer ganz klein und kleine Damen bekommen große Macht. All das klappt unterhaltsam, elegant und unaufdringlich. Wie es sich bei einem Zusammentreffen von Großindustriellen mit Wattbewohnern gehört, prallen starke Charaktere aufeinander. Diese sind klar, sie sind scharf, sie sind manchmal ein wenig überzeichnet. Aber, jetzt mal ganz ehrlich: Das muss so, genau so. Es ist schließlich kein Text in irgendeinem schmierigen Wirtschaftsblättchen. Das ist hier ein Roman. Ein feiner Roman.

So bleibt es, tja, was zu sagen? Ganz einfach: Trailer toll, Text toll, alles toll. Oder: fast alles. Denn über diesen Unfug mit dem DRM sollten wir nochmal reden. Ich bin da vollkommen einer Meinung mit Simone Dalbert, welche empfiehlt: Macht es ohne! Die Leser werden es euch danken.

Ansonsten bedanke mich jedoch einfach mal für den Text. Das Lesen: Es war ein großer Spaß.