Sonntagslinks

Was hat Zoë Beck vor einer Weile mal recht treffend gesagt? Richtig: Jeder Text ist politisch. Das klappt zum Beispiel dadurch, dass die Charaktere darin Rollen spielen und diese Rollen etwas aussagen. Es macht halt einen Unterschied, ob eine Krankenhausszene von einem Chefarzt und der Schwester handelt oder von einer Chefärztin und dem Pfleger. Ganz ähnlich wird auch im Film oben argumentiert. Und zwar sehr anschaulich. Obwohl es ein Werbevideo ist. Das ist gerade zum Ende hin schwer zu übersehen. Aber wie heißt es so schön? Irgendwas ist ja immer.

Damit sind wir auch mitten drin im Thema. Nein, nicht in der Werbung. Sondern in der Politik. Denn in dieser Woche war Frauentag. Man könnte meinen, in post-DDR-Zeiten interessiert das quasi niemanden mehr. Dort und damals waren Kampftage ja recht en vogue. Aber heute? Jetzt mal ernsthaft: Frauen und Männer unterscheiden sich recht klar in der Ausprägung ihrer primären Geschlechtsorgane. Aber doch wohl kaum in der Qualität ihrer Büroarbeit oder der Sorgfalt im Sortieren von Socken. Oder?

Nun, bei Perspective Daily gibt es einen schönen Rundum-Schlag zum Thema. Und wir sehen: So egal scheint das mit den Bürojobs und dem Sockensortieren wohl nicht zu sein.

Ganz so arg überrascht sind wir natürlich nicht. Aber wer würde das schon gern laut zugeben? Obwohl wir z.B. die Zahlen aus dem Literaturbetrieb, welche Nina George in Bezug auf ihre männlich-weibliche-Diskrepanz anprangert vor einer Weile an dieser Stelle bereits hatten. Tja.

Nahe beim Literaturbetrieb ist das Geschäft mit Wörtern. Also auch das Marketing, wenn dieser argumentativ etwas arg gespannte Bogen hier mal erlaubt ist. Es passt aber, nicht zuletzt, wenn wir auf das sogenannte Gender-Marketing gucken, was Antje Schrupp in der ZEIT gemacht hat.

Die taz hingegen hat @JudithBotler erschaffen. Sie ist ein Bot, also ein Automatismus, welcher selbständig Kommentare abgibt. In diesem Fall sind es Kommentare zum Gendergeschehen auf Twitter. Das ist – um es mal vorsichtig zu formulieren – ein schmaler Grat auf einem heißen Pflaster. Man kann jedoch ruhig mal Respekt haben, Bot Judith schlägt sich nämlich recht tapfer.

Aber es sind nicht nur die aktuellen Modeströmungen, die interessante Erkenntnisse liefern. Ein Blick zurück kann das auch. Der New Yorker hat den mal gewagt. Und es ist ernüchternd.

Wieder zurück im Hier und Jetzt versuchen manche, durch plakative Aktionen den Wert des Handelns von Frauen deutlich zu machen. Indem sie sich zum Beispiel mal einen Tag rar machen, woraufhin die Welt quasi zusammenzubrechen droht. Das liest sich befremdlich. Und das ist nicht nur meine recht männliche Sicht. Bei Patricia dasnuf Cammarata lesen wir ebenfalls: Mein Partner ist nämlich in alle Prozesse eingebunden. Und da wir hier unter uns sind, verrate ich mal eins: Das ist ein astreiner Ansatz, gar nicht so irre schwer und macht am Ende sogar Spaß.

Statt viel zu Schwadronieren, kann man nämlich einfach machen. Seinen Kindern etwas erklären zum Beispiel. Das müssen wir gar nicht immer auf die Frauen abwälzen. Das dürfen Männer auch, das können sie auch. Selbst, wenn es um Kunst geht.

Einfach machen. Das ist auch (erwartungsgemäß) die Quintessenz im aktuellen Editorial der brand eins. Man könnte zwar meinen, dass es dort um ein vollkommen anderes Thema geht als die Frage der Gleichberechtigung. Tut es aber nicht. Man beachte den letzten Absatz: Nicht die anderen sind Schuld. Nicht auf „die Politik(er)“ können wir die ganze Verantwortung abwälzen. Sondern wir selbst sind es, die jeden Tag mit kleinen Anmerkungen, Hinweisen, Kommentaren die Welt kaputt oder besser machen. Nicht nur jeder Text ist politisch. Jedes Handeln ebenfalls.

Ebenfalls quasi zu einem vollkommen anderen Thema, letztendlich aber doch nicht wirklich, beantwortet der Hochleistungssportler Andreas Raelert in der Laufkolumne von Thorsten Firlus-Emmrich die Frage, warum man nicht einfach aufgibt, wenn es schwierig wird. Das ist interessant, aufschlussreich und gilt – natürlich – nicht nur für Langstreckenläufe.

Na dann. Machen wir diesen Frauentag überflüssig. Die Zeit ist reif.