Aus dem Regal: Meine geniale Freundin von Elena Ferrante

(Aus dem Italienischen ins Deutsche übersetzt von Karin Krieger.)

Elena Ferrante: Meine geniale Freundin Da sage noch einmal jemand, Literatur ist zu anstrengend, um zu unterhalten. Als Literatur zählt dieses Buch wohl. Es wurde in den einschlägigen Kreisen und bei den Kritikern im letzten Jahr angemessen in den Himmel gelobt. Das konnte fast schon abschrecken. So akademisch lesen wir hier im Haus für gewöhnlich nicht. Das verkrampft. Und verkrampfen möchte nun wahrlich niemand. Das muss ja nicht sein.

Buch trotzdem geholt. Gucken kann man ja mal. Und das ist in diesem Fall sehr gut so. Das Gucken hat nicht nur bis zum Ende des Textes gereicht, sondern entlang des Weges auch noch prächtig unterhalten.

Inhaltlich passiert dabei gar nicht mal so wahnsinnig viel. Es wird schlicht die Geschichte eines Mädchens erzählt, welches im Nachkriegs-Italien langsam aber sicher erwachsen wird. Dabei wird sie von den üblichen Verdächtigen der Alltagssorgen begleitet: Ehrgeiz, Schule, Liebe, Nachbarschaftsstreitereien. Und vor allem wird sie bei all dem von ihrer Freundin begleitet. Oder besser gesagt: Diese Freundin prägt die Wahrnehmung all dessen, was passiert. Und zwar ganz gehörig, als Vorbild vor allem, meist natürlich vollkommen unbeabsichtigt.

All das ist kurzweilig, unterhaltsam, ruhig und doch mitnehmend erzählt.

Am Ende ist die geniale der beiden Freundinnen natürlich die andere als man über weite Teile des Textes so annimmt. Aber das ist gut so, das muss so, das passt so. Und um derartige Überraschungsmomente geht es gar nicht. Auch wenn die Geschichte mit dem endet, was man einen klassischen Cliffhanger zum zweiten Teil nennen könnte, ist es in der Tat kein Genretext, welcher mit durchschaubar rhetorischen Tricks arbeitet. Dieser Text ist hervorragend erzählt und funktioniert tatsächlich ohne billige Tricks. Und das sehr gut. Und unterhaltsam. Und überhaupt.

Ein schönes Buch.